Drago Jancar
Schon zu Beginn des "neuen Jugoslawien" besteht im Slowenien des Jahres 1945 die Befreiung in der Rache. Sie wird angekündigt, dann folgen die Gewalttaten. Die Zahl der "Feinde" wird immer größer. Sie werden in Lager gesperrt, in Propaganda-Prozessen abgeurteilt und "liquidiert". Terror erfasst die ganze Gesellschaft, Angst ist das Programm. So entsteht die Struktur des Totalitären, in der Totschweigen und Vergessen den Alltag vergiften und die Menschen auch noch in jenen Jahren infizieren, als der offensichtliche Terror nachlässt. Darf man Nazismus und Kommunismus vergleichen, wie kann man vergleichen und was bedeutet heute Erinnerung, fragt Drago Jancar in seinem Essay.
@INI-4Z = Am Samstag, dem 26. Mai 1945, erlebt unser "weißes Ljubljana", wie die Zeitung berichtet, einen Tag der Freude, einen großen Freudentag, als es seinen Führer und den Freund der Jugend empfängt, Marschall Tito. In einer pathetischen Rede, begrüßt von einer großen Menschenmenge, die sich trotz des Regens auf dem Kongressplatz versammelt hat, sagt der geliebte Marschall unter anderem: "Was jene Verräter angeht, die es innerhalb des Staates gegeben hat, in jedem seiner Völker besonders, so ist das eine Sache der Vergangenheit. Die Hand der Gerechtigkeit, die Rachehand unseres Volkes hat die große Mehrheit von ihnen bereits erreicht, und nur einem kleinen Teil der Verräter ist es geglückt, unter dem Schutz von Gönnern aus unserem Land zu fliehen. Diese Minderheit wird nie wieder unsere herrlichen Berge und unsere blühenden Felder erblicken. Und wenn es doch sein sollte, dann nur für sehr kurze Zeit."
Am selben Tag erscheint auch ein Leitartikel des Schriftstellers Tone Selikar unter dem Titel Rache ist ein Schreckenswort: "Wir aber haben die Rache als Programm und Inhalt mit Blut in unsere Herzen eingebrannt, um diese Gesellschaft von Verrätern und Henkern zu vernichten und zu zerschmettern", schreibt der Schriftsteller. Wer unter den Strömen des Glücks und der Begeisterung Titos unheildräuendem Satz genau zuhörte und diese Ankündigung mit dem Manifest des Schriftstellers verknüpfte, dem musste ein Schauer über den Rücken laufen. Titos Rede enthüllt, dass die politische Führung des neuen Jugoslawien entschlossen war, die Gegner aus der Kriegszeit umzubringen, und dass die Massaker bereits begonnen hatten. Es handelte sich um einen Plan, nach dem ohne überflüssige juristische Winkelzüge die entwaffneten antikommunistischen Domobranzen, die mit den Deutschen kollaboriert hatten, und zusammen mit ihnen auch die zivilen politischen Gegner an geheimen Orten erschossen werden sollten. Sie selbst hatten dafür einen Buchhalterausdruck: "Liquidieren". Trotz der pittoresken Bilder von der Rächerhand, den herrlichen Bergen und blühenden Feldern, die die toten Augen der Feinde nicht mehr sehen werden, lässt Titos Laibacher Rede den Kern der Sache nicht so deutlich erkennen, wie es die Worte des Schriftstellers Selikar tun. Dessen Worte sind Worte von Blut und Boden und Rache. Selikars unglaublich erbarmungslose Ansprache an die befreiten Slowenen kommt aus der Trauer, aus dem Leiden der Kriegszeit, erinnert an die toten Kämpfer, die sie begraben haben, Selikar spricht dunkel und tief. Die Sprache verrät den Schriftsteller Selikar, seine Brandrede beweist stärker als Titos Worte, dass die Befreiungsbewegung sich demselben Bösen in die Arme geworfen hat, gegen das sie gekämpft hatte. Das Wort ergriffen hatte die Sprache von Blut und Boden, die Sprache der totalen, der endgültigen Lösungen. Der Endlösung: "Und so wurde für uns die Rache zum Programm. Manchem wird diese Feststellung vielleicht einen Schauer einjagen, denn in einigen von ihnen ist noch viel von dem traurigen Erbe langer Jahrhunderte zurückgeblieben: all die bösen Folgen des Knechtseins, der Unterwürfigkeit und Scheinheiligkeit, der Heuchelei, der Kriecherei und des Zauderns. Aber wir haben das längst überwunden. Und wir werden auch alle anderen Bedenken überwinden, die uns hindern könnten, unseren Racheauftrag zu erfüllen, denn die Opfer müssen gerächt werden, und diese Rache muss bis an die tiefsten Wurzeln reichen. Wir werden nicht nur den faulen Stamm umschlagen, wir werden auch seine Wurzeln ausreißen und verbrennen, und die Erde, in der ein solcher Baum gewachsen ist, werden wir zehn Klafter tief umgraben, dass von einem solchen Baum auch nicht der geringste Keim zurückbleibt."
Heute beweisen aufgefundene Dokumente und immer häufigere lebendige Zeugnisse aus verschiedenen Gegenden Sloweniens, dass in der Zeit dieser begeisterten Worte das schrecklichste Hinmorden wehrloser Menschen in der slowenischen Geschichte schon begonnen hatte. Die Zeitungen der damaligen Zeit sprechen nicht darüber. Es war Mai, die Zeit der Liebe, des Glücks, denn der Krieg war vorbei, und man konnte ein normales Leben beginnen. Es kam der warme Juni, auf den Anzeigenseiten der Zeitungen suchen die Menschen Wohnungen und verkaufen Nähmaschinen, an geheimen Orten aber wurden, wie Überlebende berichten, Gefangene und Zivilisten unbarmherzig geprügelt, sie mussten Domobranzenlieder singen und die slowenische Erde küssen, und auf den Märschen und Transporten wurde mancher auch schon "liquidiert". Heute ist bewiesen, dass schreckliche Massaker an unbewaffneten Kriegsgefangenen und verschleppten Zivilisten folgten, dass die Leichen in Panzergräben um Celje und Maribor, in Bergwerksschächte rings um Hrastnik, in küstenländische Karstschlünde (Fojbe) und in die schrecklichen Abgründe des Kosevski Rog (Gottschee) geworfen wurden. An die 14 000 Menschen. Bauern, Schüler, Intellektuelle, Frauen und Kinder. Jeder einzeln, jeder mit seinem Vor- und Zunamen, jeder mit seinen Hoffnungen und Träumen. "Diese Minderheit wird niemals mehr unsere herrlichen Berge und unsere blühenden Felder erblicken."
Und wenn es Rache war, Rache als Programm, was war dann das, was danach kam? Danach kam die Angst, Angst als Programm. Auf dem Balkon der Laibacher Universität, von dem Tito die Racheworte verkündete, stand auch Edvard Kocbek. Damals wusste er noch nicht, dass gegen ihn ein ideologisches Massenpogrom geführt werden, dass man sein Gesicht von den Dokumentarfilmen und historischen Bildern kratzen und dass ihn einmal der Nobelpreisträger Heinrich Böll in Schutz nehmen würde. Aber der ekstatische Dichter, der vor Befreiungsbegeisterung glühte, ahnte bereits deutlich, was geschah und was kam.
"Die Angst zeugt Unglück auf Unglück", schreibt Kocbek in der Novelle Die dunkle Seite des Mondes, die der Ausstellung* den Namen gab. "Wer Angst hat, wird blind und gefährlich, und seine Gefährlichkeit zeugt neue Angst."
Nach dem sinnlosen Verbrechen, das zu Beginn der neuen Ära verübt wurde, verfing sich die Gesellschaft von der Spitze bis zum Boden in einem Netz aus Angst, das ausgehend von der ersten Gewalttat fortlaufend neue zeugte. Wenn ich heute in alten Zeitungen blättere, kann ich den Umfang und die Tiefe der Angst kaum ermessen, die damals unter den Menschen herrschte. Welche Gedanken gingen einem Professor oder Studenten der juridischen Fakultät durch den Kopf, wenn sie seinen Dekan Dr. Boris Furlan, der einige Jahre zuvor von Radio London aus noch Grüße an die Partisanen gesendet hatte, zum Tode verurteilten. Das muss man wiederholen, so steht es in der Zeitung: Zum Tode. Furlan wurde später begnadigt, aber viele andere nicht. In der Nähe Ljubljanas wurden von Exekutionskommandos Schriftsteller, Kaufleute und Professoren erschossen, darunter viele Linke der Vorkriegszeit. Jetzt geschah das nicht mehr im Verborgenen, alle Urteile wurden in Zeitungen und über den Äther verkündet. Die Prozesse wurden über Lautsprecher auf Straßen und Plätze Ljubljanas und anderer slowenischer Städte übertragen. "Abrechnung mit den Blutsaugern und Verrätern", heißt es in einer Zeitungsüberschrift über den Prozess gegen Wirtschaftstreibende und Bankiers. Sie bedeutete nicht nur die Einführung der "Diktatur des Proletariats" und der Herrschaft der arbeitenden Bevölkerung, sondern vor allem die Einführung überall präsenter Gewalt, Kontrolle, Bespitzelung, Angst. Die Prozesse reihten sich. Nachdem die Abrechnung mit den tatsächlichen Gegnern mittels Massakern vollzogen war, kam die Bourgeoisie an die Reihe, die Sympathisanten des Westens und der faulen bürgerlichen Demokratien. Prozesse gegen Geistliche, Prozesse gegen "Kulaken", Prozesse gegen Industrielle und Prozesse gegen Literaten. Auch die eigenen Leute kamen an die Reihe, und die Partisanen-Intellektuellen zitierten einander voll Grauen und als Rechtfertigung und Trost die Erkenntnis aus den Zeiten der Pariser Kommune: "Die Revolution frisst ihre Kinder." In den berüchtigten "Dachauer Prozessen" wurden ehemals in Dachau Internierte verurteilt, denn die Tatsache, dass sie überlebt hatten, war ein hinreichender Beweis für ihre Kollaboration mit der Gestapo. Die völlig unschuldige Hildegard Hahn, eine Jüdin und Antifaschistin, wurde mit der Begründung zum Tode verurteilt, sie habe Juden bespitzelt. In der Auseinandersetzung mit Stalin, dessen Bilder in den ersten Jahren nach dem Krieg in den Wahllokalen neben denen Titos hingen, fanden sich plötzlich Partisanenkommandanten und Vorkriegskommunisten in den Gefängnissen und auf der Zuchthausinsel "Goli otok" wieder. Der jugoslawische Kommunismus bewies, dass er von der ursprünglichen Idee nicht abgewichen war und in der Abrechnung mit dem Klassenfeind noch entschlossener sein konnte als der große Stalin. Es bildete sich etwas heraus, was die heutigen Historiker, ähnlich wie im Falle Kuba, Vietnam oder Rumänien, als "Nationalkommunismus" bezeichnen. Vom kommunistischen Universalismus, auf den so viele hoffende Augen der Erniedrigten und Beleidigten gerichtet waren, blieb nichts, höchstens ein überall gleicher Terror und mit ihm verbunden eine universelle Angst, die totale Angst, um es mit Bohumil Hrabal zu sagen. Und die totale Kontrolle, mit einem Wort: Totalitarismus. Und wenn schon nicht mit dem geliebten Führer Tito, so doch mit einem Inhalt, der seine Bezeichnung einem ebenso geliebten Führer seines Volkes verdankt, nämlich Mussolini: totalitario. Ein Typ von Gesellschaft formierte sich, den die Britische Enzyklopädie als dezentralisierten oder populistischen Totalitarismus beschreibt: ein charismatischer Führer, Abschaffung legaler, sozialer und politischer Traditionen, Industrialisierung, jede Abweichung von der verordneten Meinung ein gesellschaftliches Übel, innere politische Unterschiede sind nicht erlaubt. Muss man noch beweisen, dass wir auch nach diesen Definitionen in einem höchst totalitären Staat lebten?
Tragisch ist, wenn das demokratisch gewählte slowenische Parlament des Jahres 1997 dies nicht begreift und nach einer katastrophal verlaufenen Debatte die Resolution zur Rechtswidrigkeit des totalitären kommunistischen Systems ablehnt, damit eo ipso auch die europäische Resolution 1999. Und einigermaßen seltsam mutet es an, wenn das demokratische Parlament sich dazu genau am 10. Dezember bereit findet, dem weltweit begangenen "Tag der Menschenrechte".
Jahrelang waren Einschüchterung, Gefängnis, Aussiedlung, Erpressung, Drohung, Hinauswurf aus Amt und Arbeit, kleinere und große Schikanen, Anwerbung für den Geheimdienst eine Form gesellschaftlichen Verhaltens. Ein unsichtbares Netz aus schleichender Angst, Opportunismus und Erniedrigung wurde geknüpft. Gab es jemanden, der, wie die Industrie und das Bauerntum, auch das System der Angst planmäßig verwaltete? Jedenfalls war in diesem System der Einschüchterung eine Art Gesetzmäßigkeit zu erkennen. In jedem Milieu mussten exemplarische Beispiele gefunden werden, sowohl in der horizontalen, das heißt geografischen, als auch in der vertikalen Ebene, das heißt, in allen gesellschaftlichen Schichten. Schon längst ging es nicht mehr nur um Rache. Verurteilt, eingesperrt und ermordet wurden nicht nur die so genannten Kollaborateure aus der Erzdiözese Ljubljana, sondern aus ganz Slowenien, viele Kirchen wurden noch in den Sechzigerjahren niedergebrannt oder gesprengt. Zum Tode verurteilt wurden auch Kaufleute und Industrielle, die während des Krieges die Partisanen unterstützt hatten. In dem nur langsam versiegenden Strudel der Gewalt waren alle von Verfolgung, Gefängnis, Verlust des Arbeitsplatzes und Reiseverbot betroffen: Mitglieder der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Universitätsprofessoren und Künstler, Menschen in Gymnasien, Fabriken, Ämtern, Pfarrhäusern. Selbst in den entlegensten Dörfern galt es, den Feind aufzuspüren. Als fernen Widerhall der Worte Selikars aus dem Jahre Fünfundvierzig finden wir noch zwanzig Jahre später ein Parteidokument, in dem gefordert wird, die Kinder der Klassenfeinde, diese "Otternbrut" auszurotten.
Nachdem die Entscheidung für die Totalitarismus-Ausstellung gefallen war, hat es mir öfter Leid getan, mich auf dieses Unternehmen eingelassen zu haben. Nicht nur, weil es viel Zeit in Anspruch nahm und ich häufig im Stillen oder im Freundeskreis in Wut ausbrach angesichts der Tatsache, dass die zuständigen Institute, Museen, Lehrstühle und die dafür bezahlten Leute nicht das taten, was wir nunmehr fast amateurhaft in Angriff zu nehmen hatten. Nicht nur deshalb, weil ich mich mit der Ausstellung neben allen anderen Schreibverpflichtungen beschäftigen musste, was mir die notwendige Konzentration raubte. Vor allem deshalb, weil es mir immer wieder bang ums Herz wurde bei dem Gedanken an die lebendigen Menschen und ihre Schicksale, die mir aus jedem Dokument entgegenblickten, das ich in den Händen hielt. Professoren, die in Parteidossiers ihre Schüler bespitzelten und Dokumente unterschrieben, die zu ihrem Ausschluss aus allen Schulen des damaligen Jugoslawien führten, Verhörende, die in den Zellen unschuldige Opfer quälten, Kriminalpolizisten, denen aufgetragen war, politisch Verdächtige zu observieren, Richter und Geschworene, die mit Erpressungen dazu gebracht wurden, Strafen für politische Vergehen zu verhängen, wenn etwa jemand seine Gedanken über den Zustand des Staates seinem persönlichen Tagebuch anvertraut hatte. Wir wissen, was einzelnen bekannten Schriftstellern widerfahren ist, was aber ist der großen Masse der Menschen widerfahren, von denen die Öffentlichkeit keine Kenntnis hat? Die Dokumente sprechen vom Alltagsleben, aber von einem Leben, das aufgrund der kleinen Bespitzelungen und negativen Parteizensuren böse Erschütterungen für den Einzelnen bedeutete: Verlust des Arbeitsplatzes oder des Stipendiums, Reiseverbot, Vegetieren in Armut, viele unerfüllte Träume junger Menschen, Flucht ins Ausland, gescheiterte Berufskarrieren. Die Dokumente sprechen von einem Staat der totalen Kontrolle, eines Eingreifens in das Leben jedes Einzelnen, der sich nicht unterordnen und anpassen wollte oder konnte.
Als die erste Welle der Gewalt abgeklungen war und nur noch exemplarische Beispiele gerichtlicher Bestrafung oder des Arbeitsplatzverlustes blieben, gewöhnten sich die Menschen an das Leben in den neuen Verhältnissen. Der Druck nahm zeitweilig ab, wie zu Ende der Sechzigerjahre, und steigerte sich wieder, etwa in den Siebzigerjahren, den so genannten bleiernen Jahren. Heute kann man es manchen Menschen nur schwer klarmachen, dass auch dies eine Zeit des Totalitarismus war. Wir fuhren nach Triest und nach Österreich, denn Jugoslawien hatte damals schon offene Grenzen, es gab Filmfestivals und Sportresultate, das Leben lief weiter, bei aller notwendigen und jetzt schon automatischen Vorsicht. Zu Beginn der Siebzigerjahre erlebte der jugoslawische Sozialismus vielleicht sogar eine letzte Chance, irgendwie glaubhaft zu werden. Die Besetzung der Tschechoslowakei und die Liberalisierung Ende der Sechzigerjahre brachte selbst manchen kritischen Geist dazu, an die Möglichkeit eines halbwegs demokratischen Sozialismus zu glauben. Gerade damals traten viele Menschen dem Bund der Kommunisten bei. Doch dann kam ein Brief von Tito, die Partei begann die "Liberalen" und "Technokraten" zu verfolgen und wieder ihren bekannten Wortspeikübel über uns auszuleeren: innere und äußere Feinde, feindliche Emigration und Klerikalismus.
Damals brüstete ich mich wie ein lächerlicher Angeber: "Sollen sie mich doch einsperren. Ich bin sechsundzwanzig. Wenn ich rauskomme, bin ich gerade siebenundzwanzig. Und dann werden wir ja sehen." Aber gesehen habe ich, denn sie taten es wirklich. Weil ich irgendein Emigrantenbuch über die Grenze gebracht und zornige Artikel in einer Studentenzeitschrift geschrieben hatte, verurteilten sie mich 1975 zu einem Jahr Gefängnis und ließen mich nach drei Monaten laufen. Es war nicht schlimm, doch es reichte, um mich begreifen zu lassen. Allein in meinen unbedeutenden Fall war eine Unmenge von Leuten verwickelt, die mich, wenn schon nicht laut verurteilen, so doch zumindest auf den Versammlungen ihre Hand für meine Exkommunizierung heben, vor Gericht plärren oder sich vor geheimen Polizisten bei geheimen Treffs winden mussten. Ja, das war der Totalitarismus. Und seine Macht reichte weit, bis in die heutige Zeit. Vielen Menschen nimmt eine Bagatelle aus der Vergangenheit, einigen ihre Parteimitgliedschaft, den Mut, sich von ihm loszusagen. Das System funktionierte auch auf die Weise, dass es jede Solidarität zerbrach. Es schuf eine Masse unfreiwillig Mitschuldiger. Und diese Tatsache nimmt noch heute die Kraft und die Klarheit des Blicks.
Die bösen Dinge vergisst der Mensch gern. Noch lieber vergisst er sie, wenn sie anderen widerfahren sind: Es war zwar nicht alles in Ordnung, aber eigentlich ist es mir nicht schlecht ergangen. Natürlich wurden Menschen eingesperrt, aber im Gefängnis waren immer die anderen. Ich konnte mir damals mit einem Inflationskredit ein Haus bauen oder ein Auto kaufen das hört man heute immer häufiger. Es stimmt, unsere Bücher konnten erscheinen, vom gesamten Osten war Jugoslawien am offensten, Slowenien am liberalsten. Aber noch im Jahre 1989 erklärte der Innenminister auf einer Geheimkonferenz wie selbstverständlich: "Prof. Bucar (später der Präsident des ersten demokratischen Parlaments Sloweniens, Anm. d. Übers.) werden wir wegen seiner Rede in Straßburg nicht einsperren, das würde uns bei den Krediten schaden, die Jugoslawien erwartet."
An Rechtfertigungen dafür, warum die Gesellschaft und eine große Zahl ihrer Individuen gerade in der Prüfung aus Solidarität durchgefallen sind, wird es nie mangeln. Mit ihnen wird sich das Erbe der kommunistischen Repression noch lange halten. Sie können uns ihre Sünden nicht vergeben, schrieb Arthur London in seinem Geständnis. Und das gilt nicht nur für die kaltblütigen Unterdrücker, sondern auch für viele, die sich im Herzen schuldig fühlen, weil sie mitgemacht haben, weil sie mit den Unterdrückten, Ausgestoßenen, Eingesperrten und vom Arbeitsplatz Entfernten keine Solidarität gezeigt haben. Deshalb ist es noch heute das Beste zu schweigen. Neben der Angst war die stärkste Waffe des Totalitarismus gerade das Totschweigen. Totgeschwiegene Personen, totgeschwiegene Leben, totgeschwiegene Gräber.
Die Ausstellung zeigt auch ein Dokument, in dem eine Parteigröße befiehlt, die Gräber der Feinde umzupflügen und Gras darüber zu säen, damit niemand jemals erfährt, wo sie liegen. Eigentlich nichts Weltbewegendes, wenn wir bedenken, dass in Teharje bei Celje über den Gräbern der Erschlagenen planmäßig eine große Mülldeponie angelegt wurde, die auch die Abwässer einer Chemiefabrik aufnahm. Ein solcher Stand der Dinge zeugt noch heute nicht nur vom Totalitarismus, sondern auch von der Barbarei des Volkes, das im Umkreis lebt und nicht bereit oder fähig ist, einen solchen Zustand zu ändern. Heute wundern wir uns, wie es möglich war, dass wir von den Nachkriegsmassakern nichts gewusst haben. Wir haben es genauso wenig gewusst, wie die Deutschen sehr lange nichts gewusst haben wollen von der Existenz der Konzentrationslager. Aus Angst und Verschweigen haben wir es nicht gewusst, wir haben es deshalb nicht gewusst, weil jene, die es gewusst haben, erschrocken waren bis auf die Knochen und schwiegen. Ebenso rasch galt es auch die politischen Prozesse zu vergessen, obwohl Tausende die grausigen Lautsprecher vor den Gerichten gehört haben.
Ich habe nichts gewusst. Weder von den Massakern noch von den stalinistischen Prozessen. Ich habe die Partisanen bewundert. Meinem Vater konnte ich die allnächtlichen Lieder von den kampfentschlossenen Slowenen vergeben, denn er war im Lager gewesen. Er hatte mir erzählt, wie sie bei den Bauern konfisziert haben, das war für mich nichts Besonderes gewesen, höchstens unterhaltsam. Mit fünfzehn wurde ich für einen Schulaufsatz gelobt: Der kommunistische Mensch. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, die ganze sozialistische Geschichte habe mit einem Verbrechen begonnen, und damals, während ich Fußball spielte oder am Meer war, hätten viele Menschen im Gefängnis gesessen, hätte ich ihm nicht geglaubt, oder es wäre mir nicht so wichtig erschienen. Ich habe Selikars Jugendbücher gelesen und nicht im Traum daran gedacht, ihr Autor könnte zum Mord aufgerufen haben. Ich habe Ludvik Mrzel gelesen, einen Linken, ohne zu wissen, dass er in einem sozialistischen Gefängnis dahinvegetierte. Die Sonne schien, jedes Jahr kam der Frühling, wir verliebten uns, lernten das Abfassen von Schulaufsätzen und dachten an unsere helle Zukunft.
Aber wir lebten inmitten eines totalitären, überwachten und gewaltsamen Systems, das eine unendliche Zahl von Unrechtstaten hervorrief, ein Meer von Leid. Diejenigen, die wie wir nach dem Zweiten Weltkrieg geboren oder aufgewachsen waren, lebten in einem einmaligen gesellschaftlichen System, das sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wiederholen wird. Die Stafetten, die Tito dargebrachten Gelöbnisse, die Stadionrituale, die alltäglichen Schulstunden aus Sozialismus und Brüderlichkeit, aus Liebe zum Sozialismus und zu Tito und aus Feindschaft zu den Feinden, die hinter den Grenzen und hinter uns selbst lauerten, alles das war unser Leben. Niemand sagte uns, dass es alles das schon einmal gegeben hatte, im nazistischen Deutschland, in der Sowjetunion, im faschistischen Italien. Niemand sagte uns auch, dass das ganze System auf den Knochen von Ermordeten errichtet war, dass die Gefängnisse, manchmal mehr, manchmal weniger, voller erfundener oder tatsächlicher politischer Gegner waren und dass unsere sozialistische Kindheit in einer Zeit lag, als politische Sträflinge auf »Goli otok« noch immer Steine klopften. Steine, die das sozialistische Unternehmen "Marmor" aus Rijeka nach Italien verkaufte. In den Erinnerungen eines Udba-Mannes ist nachzulesen, dass sich in den Nachkriegsjahren immer Männer in Divisionsstärke im Gefängnis befanden und dass jeder zehnte Staatsbürger Jugoslawiens ein V-Mann war.
Nachdem das totale System die ganze Gesellschaft erfasst und sie bis auf die Knochen in Angst und Schrecken versetzt hatte, die einen angeworben und sich andere gefügig gemacht hatte, gestattete es der Mehrheit das Atmen in den Grenzen kontrollierter Freiheit. Wer wollte, konnte allen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen. Doch wer mit seinem Kopf dachte und in der Studentenzeitschrift kritische Artikel über die Gesellschaft schrieb, der hatte mit Schwierigkeiten zu rechnen. Ich hatte, obwohl ich bereits ziemlich kritische Artikel verfasste, noch längst nicht begriffen, in welchem System ich lebte. Mir musste erst eine Broschüre in die Hände kommen mit dem Titel: "Im Rog liegen wir erschlagen." Sie mussten meine Wohnung und den Schreibtisch an meinem Arbeitsplatz durchsuchen und einen Artikel von mir mit dem Titel: "Die Freiheit des Andersdenkens" beschlagnahmen. Sie wussten nicht, dass es sich um ein Zitat Rosa Luxemburgs handelte. Ich musste mich im Gefängnis zurechtfinden, Tischtennis im selben Hof spielen, in dem sie während des Krieges Geiseln erschossen hatten, und an meinen Vater denken, der 1944 im selben Mariborer Gefängnis eingesperrt war. Ihn hatte die Gestapo hierher eingeliefert, mich die Udba. Ein zugegebenermaßen anstrengender Weg zum Begreifen nicht nur der ironischen Geschichte dieses Jahrhunderts, sondern auch beider Totalitarismen.
Nach allem, was ich gelesen und gehört und im Kleinen auch erlebt hatte, zucke ich beim Vergleich von Nazismus und Kommunismus noch immer ein wenig zusammen. Der Kommunismus war elastischer als der Nazismus; weil er länger Zeit hatte, seine Gesellschaft zu errichten; weil er verschiedene Phasen durchlaufen hatte, war er auch offener. Mehr Ähnlichkeiten in korporativen und kollektivistischen Lösungen könnte man mit dem Faschismus finden. Der Kommunismus war anders als der Nazismus und Faschismus. Aber er war Totalitarismus. Daran besteht kein Zweifel. Das von Stephane Curtois und seinen Mitarbeitern herausgegebene Schwarzbuch des Kommunismus macht uns darauf aufmerksam, dass die Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts auch die Geschichte der Vergleichungen beider Totalitarismen ist. Das ist und wird noch eine böse Prüfung für die europäischen, vor allem für die französischen Intellektuellen, die in den Fünfzigerjahren Albert Camus völlig ausgrenzten, nachdem er als Erster auf diese Tatsache hingewiesen hatte. "Niemand Ernstzunehmender", schreibt François Furet, "hat je von dem Absurden gesprochen, dass Kommunismus und Faschismus ein und dasselbe sind. Es geht nicht darum, ob ihre Vergleichung berechtigt ist, sondern darum, ob sich die Geschichte des Jahrhunderts überhaupt begreifen lässt, ohne sie zu vergleichen."
Es ist kaum zu glauben, aber auf einer ganzen Reihe bisher unbekannter Nachkriegsdokumente der slowenischen Behörden steht schwarz auf weiß: Konzentrationslager Sterntal (heute Kidricevo). Die bürokratische Sprache verrät eine Verwandtschaft im Grundsätzlichen, etwa die Begriffe "liquidieren" oder "auf der Stelle". Nehmen wir zwei Beispiele für die Verwandtschaft beider Systeme, weil wir uns darauf ein wenig besser verstehen, aus der Kultur. Im Jahre 1933 erließ die Nazigröße Dr. Wolfgang Hermann Weisungen zur Säuberung der Bibliotheken. Ein richtiggehender Inquisitionsindex librorum prohibitorum inmitten des aufgeklärten zwanzigsten Jahrhunderts. Aber welche Überraschung erwartet uns, wenn wir erfahren, dass fast identische Weisungen unter fast demselben Titel, natürlich mit einem Verzeichnis anderer Bücher, im Jahre 1945 vom slowenischen Kulturminister erlassen wurden. Er hieß Ferdo Kozak und galt in meiner Generation als europäisch gesinnter Linksintellektueller. Aber er ließ die gesamte deutsche klassische Philosophie entfernen, alle slowenischen Autoren, die dem rechten "bürgerlichen" Lager zugeordnet werden konnten. Der Unterschied bestand nur darin, dass die verbotenen Bücher aus den gesäuberten Bibliotheken in Deutschland öffentlich verbrannt wurden, während sie in Slowenien in Fabriköfen endeten.
Das "Bundessammelzentrum", in dem in Slowenien Kunstgegenstände der Ermordeten, Ausgesiedelten oder in Arbeitslager Verbrachten gesammelt wurden, erinnert stark an die Magazine des nazistischen "Spezialstabs für darstellende Kunst", die nach Hitlers und Rosenbergs Weisungen von einem gewissen Kurt von Behr inventarisiert wurden. Eine Weisung bevollmächtigte ihn, "Kulturgüter ohne Eigentümer oder von unklarer Herkunft zu konfiszieren". Man wusste, wem sie gehörten. Den Ermordeten, Ausgesiedelten oder in Konzentrationslager Verbrachten, den Juden und politischen Gegnern. Im Staatsarchiv Sloweniens sind Tausende solcher "Reverse" erhalten, mit denen sich die neuen Machthaber Bilder, Klaviere und Essbestecke aus den Wohnungen der Ermordeten, Ausgesiedelten oder in Konzentrationslager Verbrachten besorgten. Es wimmelt geradezu von Beispielen in der Kulturpolitik, besonders in der verräterischen ideologischen Sprache wechselnder Kämpfe gegen einen stets wechselnden Feind. Der Wortschatz, mit dem slowenische Schriftsteller, "Kulturschaffende" und ihre immer unter Anführungszeichen gesetzte "Kunst" angegriffen wurden, ist identisch mit der Terminologie, die wir in dem Buch Die Kulturpolitik des Nationalsozialismus von Hildegard Brenner dokumentiert und analysiert finden.
Im Jahre 1986 sorgte eine Plakataffäre der Gruppe "Neue Slowenische Kunst" für Aufregung. Sie hatte, geplant oder aus künstlerischer Intuition heraus, mit eulenspiegelnder Direktheit von des Kaisers neuen Kleidern gesprochen. Zu einem Plakatwettbewerb anlässlich des Tages der Jugend hatte sie ein kaum retouchiertes Bild aus dem nazistischen Arsenal der Jugendpropaganda eingereicht, eine Allegorie von Robert Kleins Drittem Reich. Und hatte gewonnen. Es gab viel wütenden Lärm, viel Verwirrung, auch viel Lachen. Die ironische Parallele beider Totalitarismen war sicht- und greifbar geworden. Noch verräterischer als die Ikonographie war wieder die Sprache. In einer Kulturzeitschrift erschien eine Kritik an der Gruppe NSK. Es fiel der Ausdruck "entartete Kunst". So wie sich zu Beginn der Schriftsteller Selikar mit seiner aus dem Geist des Totalitarismus gespeisten Sprache, mit der Sprache von Blut und Boden, verraten hatte, so verriet sich am Ende der Epoche die Kritik durch ihre Sprache.
Aber das war schon die Zeit, als die Geschichte des slowenischen und jugoslawischen Totalitarismus ihrem Ende entgegenging. Seine Gesetzmäßigkeit bestand gerade darin, einen eingebauten Fehler zu haben. Er wurde nicht von äußeren Feinden zum Einsturz gebracht, sondern von seiner eigenen Natur: von den schrecklichen Verbrechen an den Menschen zu seinem Beginn, von der Gewalt und den Angstpsychosen in seiner Fortsetzung und vom Schweigen über die Vergangenheit. Als das Schweigen endete, als wieder freie Worte zu hören waren, die ersten gerade im Bereich der Kultur, in Literatur und Literaturzeitschriften, war auch die Angst angeschlagen. Und als in den Achtzigerjahren das Ende der Angst gekommen war, stürzte das Gebäude in sich zusammen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann jenes andere zu sprechen beginnen würde, was mit dem gleichen Eifer verfolgt worden war wie jedes anders geartete Denken: die Solidarität.
Am 21. Juni 1988 sah ich vom Balkon der Laibacher Universität auf den Platz hinunter, von dem im fernen Mai 1945 Tito gesprochen hatte. Die Organisatoren der Solidaritätsversammlung zur Unterstützung von vier eingesperrten Journalisten waren besorgt, der Platz war zwanzig Minuten vor Beginn noch ziemlich leer. Dann begannen die Menschen, wie wir uns alle gut erinnern, die wir auf diesem immer aufs Neue historischen Balkon standen, von allen Seiten auf den Platz zu strömen. Wenige Minuten vor fünf war der Platz voll. Das war unsere slowenische Berliner Mauer, der Anfang vom Ende. Der Bau hielt nicht mehr stand. Zwischen Mai 1945 und Juni 1988 hatte sich das Rad der Geschichte dennoch gedreht. Damals hatte Tito seine drohenden Worte gesprochen. In derselben Stadt war am Vortag der Leitartikel des Schriftstellers unter dem Titel "Rache ist ein Schreckenswort" erschienen. Jetzt standen andere Leute auf demselben Balkon, unten auf der Tribüne wurden andere Worte gesprochen, Worte, die niemanden bedrohten. Und andere Menschen waren auf dem Kongressplatz, manche vielleicht sogar dieselben wie früher. Die Zeitung, die am nächsten Tag erschien, sprach nicht von Rache. Zwar versuchte sie die Zahl der Protestierer ein wenig nach unten zu korrigieren, aber das war alles. Auf einmal war alles so einfach. Und doch lagen zwischen beiden Versammlungen viele Jahre. Sub specie aeternitatis nichts Besonderes, ein halbes Jahrhundert, vom Standpunkt eines einzelnen Menschlebens aus alles, einfach alles.
Der Kommunismus und sein Totalitarismus sind Geschichte. Als solche muss man sie behandeln. Die gestrigen Kommunisten können heute Demokraten sein, daran ist nichts Problematisches. Damit er auch in unserem Bewusstsein zu dem wird, was er ist, nämlich Geschichte, müssen wir ihn uns immer wieder in seiner Totalitarität ins Gedächtnis rufen. Und wenn wir das tun, werden wir begreifen, dass wir nichts vergessen dürfen. Am wenigsten jene Leben, die von diesem System vernichtet oder verwundet wurden. Wir dürfen kein zweites Mal bei der Prüfung aus menschlicher Solidarität durchfallen und uns der Gleichgültigkeit hingeben, auch wenn es sich jetzt nur um eine Solidarität aus der Erinnerung handelt. Und wir müssen die Dinge beim Namen nennen. Da hilft keine Berufung auf den Antifaschismus, denn es gilt die unumstößliche Regel: Jeder Demokrat ist ein Antifaschist, nicht aber jeder Antifaschist auch schon ein Demokrat. Den Diktatoren und gesellschaftlichen Gewalttätern, die die Unterdrückung der Grundfreiheiten und Menschenrechte auf dem Gewissen haben, muss gesagt werden, was sie sind: Verbrecher. Es soll keine Rache geben, niemand soll einen Stein aufheben, niemand richte, auf dass er nicht gerichtet werde.
Alles, was in diesen fünfundvierzig Jahren geschehen ist, müssen wir uns deutlich ins Bewusstsein rufen, es muss ein Bestandteil unseres historischen Bewusstseins und unseres heutigen Lebens werden. Ebenso wie es die Gewalt des Nazismus bereits ist.
Die Frage des Vergessens ist nicht nur ein Problem der Slowenen. Auch die Engländer unterliegen, wie Timothy Gordon Ash sagt, stets der Versuchung, lieber an Shakespeare zu denken als an ihren Kolonialismus und seine Massaker und Unterdrückungen, lieber an Churchill als an Nordirland. Und dabei haben sich die Engländer in neuerer Zeit kaum einmal an ihren eigenen Staatsbürgern vergangen. Wenn das auch nur wenig ändert. Wir brauchen nur zu wissen. Auch deshalb, weil aus dem Wissen der Irrtümer des Kommunismus und dem Wissen vom Totalitarismus jeder Art das öffentliche Demokratiebewusstsein erwächst. Weil sich auf diese Weise sozusagen per negationem ein positives Bewusstsein der demokratischen Prinzipien, der gesellschaftlichen Toleranz und menschlichen Solidarität, der Rechte und Freiheiten formiert oder formieren müsste. Weil wir erst dann, wenn wir wissen, was Demokratie nicht ist, auch verstehen, was sie ist, beziehungsweise was sie sein sollte.
Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof
* In seinem Essay bezieht sich der Autor auf die von ihm mit vorbereitete und durchgeführte Ausstellung: The Dark Side of the Moon. A Short History of the Totalitarianism in Slovenia 19451990 (in the Museum of Recent History, December 19981999) in Ljubljana.