INHALT 6 / 2002

 

 

Wende in den Niederlanden?
Wer die „Briefe aus den Niederlanden“ las, wusste um Probleme einer multikulturellen Gesellschaft, die in vieler Hinsicht internationalen Vorbildstatus genoss. Frank Eckardt zeigt am raschen Aufstieg des Rechtspopulisten Pim Fortuyn auf, wie der innergesellschaftliche Konsens ins Wanken geriet und aufgekündigt wurde. Seine Ermordung und das nachfolgende Wahlergebnis sind Ausdruck des Scheiterns der Niederlande an der kulturellen Globalisierung und der Erschütterung von Ecksäulen einer scheinbar gefestigten Demokratie.
Frank Eckardt

Seite 6

 

 

 

Kommentar Frankreich:

Zwischen den Wahlen.

Achim Russer
Seite 8

 

Glosse:

J. W. D. Möllemann!

Albrecht von Lucke
Seite 12

 

Ereignisse & Meinungen:

Rechtsruck in Europa?

Balduin Winter
Seite 14

 

Erfurt: Der Täter. Die Gewalt. Die Medien.
In der Diskussion um die Bluttat des Robert S. in Erfurt zeigte sich Erklärungshektik in Medien und Politik. Hilflose Fragen, ungestüme Antworten sowie Schuldzuweisungen kursierten. Martin Altmeyer plädiert nun dafür, den Täter nicht einfach als Opfer von Umständen zu behandeln, sondern als Autor seiner Tat. Harry Kunz tritt der weit verbreiteten Meinung entgegen, die Gewalt von Jugendlichen sei ein allgemein steigendes Phänomen. Wolfgang Geiger wendet sich den Medien zu, Problem sei nicht die Darstellung von Gewalt an sich, sondern das Verschwimmen von Fiktion und Realität.
Seite 16–25

 

Erfurt (1):

Ein Akt der grandiosen Selbsterschaffung. Weshalb wir Robert S. als Autor seiner Tat begreifen sollten.

Martin Altmeyer
Seite 16

 

Kommentar Italien:

Schlaglichter zur Entwicklung.

Annemarie Nikolaus
Seite 18

 

Erfurt (2):

Die Rebellion der Individualisierungsverlierer. Jugend zwischen Teilhabeeuphorie und Beschränkungserfahrung.

Harry Kunz
Seite 20

 

Erfurt (3):

„Counterstrike“ in der Schule. Wie Fiktion und Realität in den Medien ineinander verschwimmen.

Wolfgang Geiger
Seite 22

 

Kommentar SPD:

Das neue Leiden des alten Tankers.

Daniel Dettling
Seite 24

 

Brief aus Österreich:

„Und was lernt uns das?“

Gerhard Fritz
Seite 26

 

Andalusien: Hinterland der Globalisierung
Seit dem EU-Beitritt weist Spanien hohe Wachstumsraten auf. Doch die hochintensive Landwirtschaft führt zu großen ökologischen Problemen. Auch die Arbeitsbeziehungen haben sich verändert. Politisch aber wählt Andalusien weiterhin „links“. – Hartwig Berger über eine markante regionale Entwicklung.
Hartwig Berger

Seite 27

 

Brief aus Washington (21):

Die „Mommy Issues“ kehren zurück.

Sascha Müller-Kraenner
Seite 32

 

Ein historisches Urteil mit schäbigem Nachspiel.

Wie die bosnische Verfassungsreform verspielt wurde.

Dunja Melcic
Seite 34

 

Kommentar Recht:

Ein deutscher Konvent?

Uwe Günther
Seite 36

 

 

Resistance is futile!? Politische Kultur in Zeiten der Globalisierung.

Dietrich Englert
Seite 38

 

Neue Kriege, alte Muster? Alain Joxe besichtigt das „Chaosimperium“.

Achim Russer
Seite 40

 

 

Die Haltung der USA zum Völkermord
Die Politik der Unterlassung beenden und die Vorbeugung beginnen
Trotz des „Nie wieder“ nach dem Holocaust ist das 20. Jahrhundert ein ungemein grausames geblieben. Samantha Power fragt nach der Verantwortung der USA, Genozide zu verhindern oder abschreckend einzugreifen. Der Fall Ruanda etwa war nicht eine Frage zu geringer oder widersprüchlicher Information, sondern offenbarte mangelnden Willen der politischen Verantwortlichen. Genozidvorbeugung ist jedoch eine zentrale Aufgabe zur Erhaltung des Weltfriedens.
Samantha Power

Seite 42

 

 

Die Mordschlucht von Babij Jar
Anatoli Kusnezow hat das Naziverbrechen von Babij Jar in einem Roman dokumentiert. Benjamin Korn, Verfasser des Nachwortes, betont den Wert dieser Erinnerungsarbeit: Alle politischen und weltanschaulichen Strömungen waren in der Familie des Autors vertreten und kommen zu Wort, Kusnezow gibt den Namenlosen ihre Gesichter wieder. So durchkreuzt er den Versuch, „eine totalitäre frontale Attacke gegen die Erinnerung in der Geschichte zu führen“.
Seite 51

 

„Babij Jar“. Historische Anmerkungen.

Gerd Koenen
Seite 52

 

 

Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2001
Die Dokumentation der Preisverleihung 2001 an Ernst Vollrath und Daniel Cohn-Bendit schlägt einen Bogen von der Auseinandersetzung mit der „Banalität des Bösen“ über die Bedeutung von 1968 bis zu aktuellen Kriegen. Mit Beiträgen von Daniel Cohn-Bendit, Antonia Grunenberg, Peter Rüdel, Henning Scherf, Brigitte Sauzey, Ernst Vollrath
Seite I–XXXII

 

 

Schwarzer Superlativ.

Über Hans Magnus Enzensberger.

Ernst Köhler
Seite 57

 

„Als wäre ich nie gewesen oder kaum“.

Zum 100. Geburtstag von Hans Sahl.

Marko Martin
Seite 59

 

Fotobuch: Künstlerauge und Windauge.

Helmut Veil
Seite 61

 

Die Ostlichterkette.109. Kerze.

Wilhelm Pauli
Seite 63

 

Opportunismus war sehr opportun. Schriftsteller, Schauspieler, Künstler im Dritten Reich.

Peter Mosler
Seite 64

 

Karrieren im Zwielicht. Vom Nationalsozialismus zur Demokratie.

Rolf Wiggershaus
Seite 66

 

Buch: Der arische Jesus.

Jürgen Meier
Seite 67

 

Bücherfenster (I): „Kindheitsmuster“

Joscha Schmierer
Seite 68

 

Bücherfenster (II):Über Erinnerung.

(js.)
Seite 69

 

Untaten & Orte: Blech und Gold.

Wilhelm Pauli
Seite 70

 

Film-Schnitte: Trügerische Idylle.

Marcus Welsch
Seite 71

 

Sport & Körper: Einschüchterung, Demütigung, Schmerzen.

Jayin Thomas Gehrmann
Seite 72

 

Aufgelesene Töne: Bluegrass Revival.

Christoph Wagner
Seite 73

 

 

Editorial
Seite 3

 

Bücher
Seite 74

 

Autorinnen & Autoren
Seite 74

 

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