Splendid Isolation

Über unseren Umgang mit dem Balkan und seinen "Wirren"

Ernst Köhler

Das letzte Jahr hat auf dem Balkan große Veränderungen gebracht. Politisch deformierte Gesellschaften konnten ihre Handlungsfähigkeit wieder zurückgewinnen. Auch ist der südosteuropäische Nationalismus kein ideologischer Monolith, der undifferenziert über den Leisten geschlagen werden kann. Immer noch klafft ein Graben zwischen der Wahrnehmung im Westen und der Wirklichkeit, die den Autor irritiert und zu Fragen herausfordert. Auf seinen Reisen durch exjugoslawische Staaten ist er auf sehr unterschiedliche und variationsfähige nationale Motive gestoßen. In den hiesigen Politikerzählungen werden sie allzu oft mythologisiert beziehungsweise völlig unterschiedliche politische Triebkräfte unzulässig verallgemeinert und gleichgesetzt.

Die Politik bestimmt das Bewusstsein. Die Interpretation einer politischen Situation ist kaum je unabhängig von politischer Handlungsbereitschaft und Verantwortungsgefühl. Ein Extremfall ist der Stammtisch, an dem bei uns regelmäßig auch viele Gebildete sitzen: Am besten, man zöge einen Zaun, eine Mauer um den Balkan und wartete ab, bis er sich ausgebrannt hat. Man darf vielleicht sagen, dass das zynische Spießertum nach einem Jahrzehnt Jugoslawienkriege verstummt ist. Die Bilder aus diesen Kriegen haben es zum Schweigen gebracht. Die Flüchtlinge aus dem Kosovo hatten alle ein Gesicht. Die Gefangenen der serbischen Konzentrationslager in Nordwestbosnien waren unleugbar gefolterte Menschen. Die Toten in den geöffneten Massengräbern sind unleugbar ermordete Zivilisten. Die Beschämung des Stammtischs ist eine Leistung des Fernsehens, so reißerisch, atemlos und oberflächlich seine Berichterstattung oft auch sein mag. Es gibt eine "Ethik des Fernsehens" (Michael Ignatieff). Aber die Entmutigung der Vorurteile über den Balkan und seine vermeintliche "Mentalität" ist vor allem ein Ergebnis des politischen und militärischen Eingreifens des Westens. Nur wer das Risiko des Handelns auf sich nimmt, hat die Chance, seine Vorurteile loszuwerden. Er braucht sie eben nicht mehr, um seine Indifferenz und sein Nichtstun vor sich selber zu kaschieren. Er braucht sie nicht mehr für seine Selbstachtung. Entsetzlich spät, erst nach dem Massenmord von Srebrenica, haben die Mächte des Westens die mitterandsche Absurdität, man kann auch sagen: Schande des "peacekeeping" inmitten einer Aggression, des humanitären Einsatzes inmitten eines Vernichtungskrieges, aufgegeben und den Krieg in Bosnien gewaltsam beendet. Und dann auch die serbische Gewaltpolitik im Kosovo. Der Durchbruch war Srebrenica – im Bombardement des serbischen Rings um Sarajevo hat die Öffentlichkeit des Westens ihr verzerrtes, apologetisches Balkanbild abgestreift. Sogar die deutsche Öffentlichkeit, die seit Jahrzehnten auf eine eigennützige außenpolitische Selbstverkleinerung geeicht war. (Andrei S. Markovits/Simon Reich) Selbst die liberale und linksliberale Öffentlichkeit in Deutschland war jetzt auf einmal bereit, hinter ihrem vergangenheitsbewältigenden Lieblingstopos von der unheiligen Allianz zwischen dem kroatischen und dem neodeutschen Nationalismus das Milosevic-Regime und sein großserbisches Projekt hervorzuziehen.

Irgendein Selbstlob ist dennoch nicht angemessen. Ich möchte im Folgenden zu zeigen versuchen, wie halbherzig und prekär der Lernprozess immer noch ist – in drei Anläufen sozusagen: in einer knappen Auseinandersetzung mit der aktuellen Kosovo-Problematik; in einigen persönlichen Beobachtungen vor Ort in Bosnien-Hercegovina; und schließlich in einer kritischen Anmerkung zum Begriff des "ethnischen Nationalismus" oder "Ethnoradikalismus", ohne den man in der Analyse südosteuropäischer Verhältnisse nicht auskommt. Um meine Argumente thesenhaft zugespitzt vorwegzunehmen: Den ethnischen Nationalismus stilisieren wir gern zu einer Art Religion hoch. Das wäre er wohl gern, ist er aber nicht. In Wahrheit ist er bloß eine politische Option unter politischen Optionen und verfügt nur über eine sehr bedingte Macht über seine Gefolgschaft. Bosnien leidet heute unter einem bewusst und gezielt gleichmacherischen Semiprotektorat, das die Erfahrung des Krieges zu verdrängen und die Unterscheidung zwischen Tätern und Opfern aus pragmatischen Gründen auszulöschen sucht. Und was schließlich das Kosovo betrifft, so scheint sich da eine glatte Verkehrung des realen Zusammenhangs breit zu machen: Danach ist es nicht der allein vom Westen zu verantwortende politische Schwebezustand des Landes, der dem albanischen Extremismus Auftrieb gibt; in dieser Sicht ist es vielmehr umgekehrt der albanische Extremismus, der es den Großmächten so schwer macht, sich vom Ungedanken einer "substantiellen Autonomie" des Kosovo im Rahmen des serbischen Staates definitv zu verabschieden.

Ich beginne mit Letzterem: Es war schon kein gutes Zeichen, dass die Stimmung mit den ersten Nachrichten über albanische Gewaltakte gegen die serbische Minderheit im Kosovo schlagartig umkippte – zumindest in Deutschland. Aus den Augen, aus dem Sinn: Die Vertriebenen von gestern verschwanden wieder in dem dunklen Bild des albanischen Nationalismus, aus dem sie erst kürzlich hervorgebrochen waren. Ich kann mich nicht entsinnen, Flüchtlinge jemals so schnell und spurlos untergehen gesehen zu haben wie diese – mitsamt ihrem Schicksal im Krieg von 1999, im Krieg von 1998 und unter dem menschenverachtenden serbischen Kolonialregime seit 1989. Die Flüchtlinge aus dem Kosovo waren ungeachtet unserer Betroffenheit und unserer nicht geringen Spendenbereitschaft nicht mehr eine flüchtige Episode unserer Aufmerksamkeit. Es kann nicht an unserem Entsetzen über die neuen Flüchtlingstrecks jetzt der serbischen Kosovaren, über die Mordanschläge gegen die restliche serbische Zivilbevölkerung und über die Massenvertreibung der Roma liegen. Das ist entschieden zu moralisch, um wahr zu sein. Das abrupte Umschalten von der Anteilnahme auf das altgewohnte Balkanbild hatte vielmehr etwas von einer Selbstentlastung. Sich in ein angenehm bitteres Déjà-vu zurückgleiten zu lassen, hat nicht allzu viel mit den Menschenrechten und ihrer Verteidigung zu tun. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf ein Zeugnis aus dem Kosovo hinweisen, das uns die Möglichkeit einer weniger gefälligen Selbstwahrnehmung bietet. Es handelt sich um die Essays des jungen kosovo-albanischen Schriftstellers Beqe Cufaj, die unter dem Titel Rückkehr in ein verwüstetes Land auch in einer deutschen Übersetzung erschienen sind (Paul Zsolnay Verlag, Wien 1999). Die Texte wenden sich ohne Pathos den albanischen Volksmassen zu. Sie sprechen die Sprache der Erschütterung und der Trauer, des traurigen Humors gelegentlich auch. Und zugleich treten sie unbeirrbar, rückhaltlos auch und gerade gegen die eigenen Leute – für die Unantastbarkeit jedes einzelnen Menschen im Kosovo ein. Das ist etwas anderes als jene eilige, wohlfeile Hoffnungslosigkeit, die im Grunde genommen ein Fallenlassen ist und der der Autor selbst in seinem Band ein kleines 68er-Porträt widmet:

"Die Ballade von E." – ein hartes Stück über eine ebenso unwissende wie maßlos selbstgewisse Journalistin aus Deutschland, die denn auch schleunigst abreist. "Einen Tag vor ihrem kühlen ,Auf Wiedersehen‘ hat sie mir gesagt, sie sehe keine Chance für die Entstehung eines neuen Geistes auf diesem Flecken Erde unter dem Himmel ..."

Aber nun mein erster Punkt: Ich möchte da von einer Art Ausfallserscheinung, einem Loch in der Vorstellungskraft sprechen, das unser Urteil über das Kosovo von innen her paralysiert. Es scheint tatsächlich eine Frage der aussetzenden Imagination. Ich meine das Unverständnis nicht nur der westlichen Politik für die Tatsache, dass die Rückkehr des Kosovo in den serbischen Staatsverband undenkbar ist. Man kann diese Undenkbarkeit offenbar nur schwer denken. Der israelische Osteuropa-Experte Shlomo Avineri hat eine solche Lösung als "obszön" bezeichnet: "Es wäre so, als verlangte man von jüdischen Überlebenden beispielsweise in Theresienstadt, nach ihrer Befreiung durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg unter deutschen Beamten zu leben" ("Nicht unter serbischer Herrschaft", FAZ, 14.6.99). Vielleicht können wir einem Juden diese aufgeregte Sprache durchgehen lassen. Auch im Bosnienkrieg war sie ja schon zu vernehmen – etwa aus dem Munde von Marek Edelman, dem Überlebenden des Warschauer Gettos. Halten wir uns lieber an einen kühlen Kopf wie Skelzen Maliqi, Philosoph und Publizist in Prishtina: "Die Lösung der Kosovo-Frage führt auch zur Lösung der albanischen Frage auf dem Balkan. In strategischen Analysen stößt man häufig auf die falsche Annahme, dass ein albanischer Kontrolle überlassenes Kosovo die Voraussetzung für so genannte großalbanische Ambitionen bilde und zur Destabilisierung und Zerstörung Makedoniens führen werde. Ich behaupte das Gegenteil. Gerade die Lösung der albanischen Frage wird den großalbanischen Nationalismus beruhigen und Makedonien als zusammengesetzten Staat mit einer Lage erhalten, die derjenigen Belgiens ähnlich wäre. So wie Brüssel die Metropole Europas ist, so könnte Skopje perspektivisch gesehen zur formalen Metropole des Balkans werden, unabhängig davon, wem alles, besonders den Griechen, aber auch den Bulgaren, dies unannehmbar erscheint" (Ein Gleichgewicht der Schwachen, in: Thomas Schmid, Hrsg., Krieg im Kosovo, Reinbek 1999). Ein Nationalismus, der sich über die Erfüllung seiner Forderungen "beruhigen" ließe? Ließe sich überhaupt etwas ausdenken, das unserem gesunden Menschenverstand mehr widerspräche?

Und unserem nationalismuskritischen Leitgedanken, dass man dem Affen nicht auch noch Zucker geben sollte? Der praktischen Außenpolitik des Westens ist die Beruhigungsthese an sich nicht ganz fremd geblieben – wie man spätestens seit 1993 im Bosnienkrieg und dann in Dayton beobachten konnte. Umso entschiedener scheinen wir in unserem öffentlichen Räsonnement auf der beruhigend beunruhigenden Einsicht bestehen zu wollen, dass ein Nationalismus unersättlich sei und gewiss eher durch die frontale Ablehnung als durch die Anerkennung seiner wuchernden Wünsche unter Kontrolle gebracht werden könne. Man könnte leicht auf den Gedanken kommen, die Kosovo-Albaner müssten heute mit der strikten Ablehnung ihres Verlangens nach staatlicher Unabhängigkeit dafür büßen, dass man den bosnischen Serben und ihrem Gangsterstaat seinerzeit so weit entgegengekommen ist. Ein Satz wie der, dass der albanische Nationalismus auch nicht besser sei als der serbische, fließt vielen von uns jedenfalls leichter aus der Feder als jemals ein Satz über den serbischen Nationalismus direkt – auch Jürgen Habermas, der sich meines Wissens bislang nicht durch besondere Balkanstudien ausgewiesen hat: "Die Kosovo-Albaner hätten kein Recht auf Sezession, wenn nur ihr Anspruch auf Autonomie innerhalb Serbiens erfüllt würde. Der großalbanische Nationalismus, der durch die Abspaltung Auftrieb erhielte, ist ja keinen Deut besser als der großserbische, den die Intervention eindämmen soll" ("Bestialität und Humanität", Die Zeit, 29.4.99). Ist der Nationalstaatsgedanke der Kosovo-Albaner "großalbanisch" orientiert? Denkt die große Mehrheit der makedonischen Albaner großalbanisch? Wer genau ist eigentlich großalbanisch ausgerichtet? Und welchen Stellenwert haben diese Kräfte im Kontext albanischer Politik auf dem Balkan? Und ist ein Nationalismus, der sich in einem Jahrzehnt der Verlassenheit, der Apartheid, des Scheiterns allen gewaltlosen Widerstands, der Massenvertreibung und des Massenmords formiert hat – unvermeidlich formieren musste –, dem imperialen Nationalismus des Verfolgerstaats und der Verfolgernation gleichzusetzen? Ist es unerlaubt, ist es schamlos, die Toten zu zählen und die Anzahl der Opfer miteinander zu vergleichen – die 200.000 Toten in Bosnien, die 10.000 ermordeten Albaner im Kosovo mit den inzwischen Hunderten von ermordeten Serben im Kosovo? Und wie kommt es überhaupt, dass die gemäßigte albanische Politik im Kosovo, in Makedonien, in Albanien so wenig Aufmerksamkeit, so wenig Respekt, so wenig Vertrauen genießt im Westen? Die Aufgabe dort läge ja keineswegs so schön auf der Linie der Staatengemeinschaft wie die in Makedonien: Auflösung eines bereits zerfallenen Staates, nicht Erhaltung eines gefährdeten Staates.

Vorläufig sind die Albaner noch genau wie die Serben. Massenflucht ist Massenflucht – egal, ob da Menschen vor einer mörderischen, rassistisch gelenkten und rassistisch motivierten Soldateska flüchten oder ob da ein schwer kompromittiertes, geschlagenes Herrenvolk abzieht – im Schutz seiner Truppen und ohne auch nur das leiseste Zeichen von Schuldbewusstsein (Jan Stage, Lettre International 46, 1999). Gewalt ist Gewalt – egal, ob es sich um die Rache der Kolonialisierten handelt oder um eine staatliche Politik der "ethnischen Säuberung". Kollektive Verantwortung ist kollektive Verantwortung – egal, ob die Mehrheit der Bevölkerung sich nahezu geschlossen hinter den Terror stellt oder ob sie "zittert und schweigt" (Beqe Cufaj, "Am Ende der Sackgasse wartet der Krieg", FAZ, 3.3.01). Nach dem jüngsten OSZE-Bericht über die Verfolgung der Serben und Roma im Kosovo haben diese Unterscheidungen – bis auf die letzte (und bis auf den Norden!) – ihre Bedeutung inzwischen tatsächlich verloren: Der Bericht weist darauf hin, "dass die Anschläge in zunehmendem Maße orchestriert sind und keinesfalls als individuelle Abrechnungen bezeichnet werden können". Über die Gründe erfährt man leider wenig (NZZ, 18.4.01). Es macht aber doch einen Unterschied, ob man diese Systematisierung der Verfolgung gewissermaßen bereits im "Wesen" des albanischen Ethnonationalismus angelegt sieht oder sie aber, ganz profan, auf die unerwartete Niederlage der Radikalen bei den Kommunalwahlen vom Oktober letzten Jahres zurückführt. Auch in Bosnien begegnet man diesem Typus von Entdifferenzierung, von Verblendung, die keine ist, weil es eine Mystifikation ist. Nur ist sie hier bereits so nahtlos in die Textur des Alltagslebens und der Normalität eingelassen, dass sie von außen schon kaum mehr wahrnehmbar ist. Sie ist hier auch nicht wie im Fall Kosovo Ausdruck eines gefährlichen Eskapismus der maßgeblichen Nato-Staaten, die ihre Entscheidung über den endgültigen Status des besetzten Landes endlos vor sich herzuschieben belieben. In Bosnien-Hercegovina hat der Westen seine Politik bekanntlich längst gefunden, und die offizielle Sprachregelung hört sich hier ungefähr so an: Sie sind sich alle gleich. Keines der drei Völker hat den jeweils anderen etwas vorzuwerfen. Die Bosnjaken sind kein bisschen besser. Sie sind genau so korrupt und mafios wie die anderen. Und sie arbeiten alle auch ganz prima zusammen. Vielleicht sind die Bosnjaken etwas raffinierter in der öffentlichen Präsentation, in der politischen Vermarktung ihrer ethnozentrischen Politik. Aber das liegt nur daran, dass sie kein anderes Land haben als Bosnien. Sie müssen ja brav tun, sie müssen sich ja der internationalen Gemeinschaft anbiedern. Aber die Haltung dahinter, die eigentliche Mentalität ist die gleiche. Wir sind hier eben auf dem Balkan. Ich habe auf zwei längeren Reisen während der letzten beiden Jahre keinen einzigen erfahrenen internationalen Funktionär in Bosnien getroffen, der nicht diese Auffassung vertreten hätte – gleichgültig in welchem Apparat er arbeitete. Und der sie nicht mit Nachdruck bekräftigt hätte, wenn man ihm widersprach – mit einem mitleidigen Lächeln, wenn er Manieren hatte, und mit höhnischer Schärfe, wenn er keine hatte. Mein zweiter Punkt wäre, dass es sich bei diesem allgegenwärtigen Gerede um das Abfallprodukt einer Politik handelt, die nicht so sehr an der Demokratisierung des Landes interessiert ist wie sie unentwegt behauptet, als vielmehr an der Stabilität des Landes. Verhielte es sich andersherum, müssten die Verantwortlichen der internationalen Gemeinschaft zunächst einmal öffentlich und unmissverständlich zwischen nationalen und nationalistischen politischen Parteien unterscheiden – also zwischen SDA einerseits und SDS und HDZ anderseits. Das tut aber niemand – mit der einsamen Ausnahme von Haris Silajdzic (Interview in Slobodna Bosna, 30.11.00). Aber Silajdzic ist auch kein Mitglied der internationalen Gemeinschaft, sondern der herausragende Kopf der bosnjakischen Politik und ein kühner, unnachsichtiger Kritiker der westlichen Politik in seinem Land. Korruption hin oder her, man kann eine Partei, die ihren heutigen Masseneinfluss der Selbstverteidigung gegen den Völkermord verdankt, keinesfalls in einen Topf werfen mit Parteien, die den Völkermord organisiert und sich bis zum heutigen Tag niemals davon distanziert oder gar dafür entschuldigt haben. Manchmal – selten genug – fliegt die Lebenslüge des bosnischen Semiprotektorats auf, etwa als Richard Holbrooke unmittelbar vor den Novemberwahlen über Bosnien hereinbricht mit der brachialen Forderung, die SDS als kriminelle Vereinigung endlich zu verbieten und aufzulösen. Oder als Ante Jelavic, der Führer der bosnischen HDZ, Anfang März dieses Jahres ausgerechnet die Verurteilung des bosnisch-kroatischen Kriegsverbrechers Dario Kordic durch das Haager Tribunal zum Anlass nimmt, den Austritt der Kroaten aus der Föderation zu erklären. "Seine Rede bedeutete einen doppelten Tabubruch: Nicht nur stellte er das Abkommen von Dayton in Frage, sondern er tat das zudem an einer Solidaritätsveranstaltung für den Kriegsverbrecher Kordic in dessen Heimatort" (NZZ, 2.3.01). Inzwischen sieht sich selbst der diplomatische Wolfgang Petritsch, der Hohe Repräsentant der Staatengemeinschaft, genötigt, dem nationalistischen Demagogen "ziemlich unverblümt kriminelle Motive" zu unterstellen (NZZ, 31.3./1.4.01). Typisch für den politischen Stil der Staatengemeinschaft in Bosnien ist aber etwas anderes: das ernste, mahnende Wort, gleichmäßig, ausgewogen nach allen Seiten. Selbst der jüngste Bosnien-Report der International Crisis Group in Brüssel (ICG), einem der wichtigsten Think-Tanks der EU, kennt nur nationalistische Parteien. Die fundamentalen Unterschiede zwischen ihnen schmuggelt er nach und nach als subtilere Modifikationen in seinen Text. Und das, obwohl die Analyse der Staatengemeinschaft weit tragende Fehler in Bosnien vorwirft – darunter insbesondere die Grundsatzentscheidung, den serbischen und kroatischen politischen Parteien des Krieges und der verbrecherischen Gewalt zu gestatten, sich unmittelbar nach dem Krieg in von der OSZE überwachten Wahlen demokratisch zu legitimieren. ("Bosnia’s November Elections: Dayton Stumbles", 18 December 2000, ICG Balkans Report N° 104, Sarajevo/Brussels)

Der israelische Philosoph Avishai Margalit hat einmal gesagt: "Es existiert eine Spannung, beinahe ein Widerspruch zwischen Gerechtigkeit und Frieden. In vielen Fällen erreicht man den Frieden nur, wenn man bei der Gerechtigkeit Kompromisse macht" ("Gibt es einen gerechten Frieden?", Die Zeit, 10.6.99). Peace Journey (London 1998), der Bericht Carl Bildts über seine Tätigkeit als erster Hoher Repräsentant in Bosnien, liest sich wie eine einzige Illustration zu diesem Wort. Der fragwürdige Schnitt von Dayton ist für den Autor eine Zäsur von besonderer Tiefe und Radikalität. Danach ist alles anders. Nichts besitzt mehr die alte Bedeutung. Das Bosnien Carl Bildts ist wie verzaubert, wie verhext. Alles ist auf einmal gleich, homogen, eindimensional geworden. Es gibt in diesem Bosnien keine Opfer und keine Täter mehr. Die Täter und die Opfer des Krieges haben sich in ununterscheidbare Parteien verwandelt, und sie betreiben alle dieselbe Politik. Wir schreiben den 15. Januar 1997: "Am Abend bestellte Präsident Izetbegovic die Botschafter der Kontaktgruppe in Sarajevo ein, um ihnen einen Brief zu überreichen. Die Botschaft Izetbegovics war sehr direkt. Falls das internationale Schiedsgericht entscheide, dass Brcko in serbischer Hand zu verbleiben habe, trete er sofort zurück. Es zeige ihm nämlich, dass die internationale Gemeinschaft sich dafür entschieden habe, die Opfer zu bestrafen und jene zu belohnen, die sich des Völkermords schuldig gemacht hätten ... Izetbegovics Brief war offenkundig ein Erpressungsmanöver ("blackmail") und kaum vereinbar mit Geist und Buchstaben des Friedensabkommens ... Die Erpressung zielte auf die Amerikaner. Eine Situation, in der die politische Führung in Sarajevo geschlossen zurückträte – aus Protest dagegen, dass die US-amerikanische Außenpolitik sich auf die Seite von Massenmördern schlage, könnte tatsächlich leicht aus dem Ruder laufen ("might be ,a little hot to manage‘")." Das ist schon die Sicht oder Gedankenwelt des Beauftragten in Nuce. Es gibt darin keine Gerechtigkeit, keine Erinnerung und keinen Respekt vor Leuten, die nicht umhin können sich zu erinnern. Man mag über Alija Izetbegovic denken, wie man will – aber nicht einmal in Erwägung zu ziehen, dass er meint, was er in seiner Rücktrittsdrohung sagt, ist einfach indiskutabel. Die "Erpressung" ist eine glatte Unterstellung – und im Licht der Empörung oder Fassungslosigkeit, die das undurchsichtige Lavieren der Staatengemeinschaft in der Brcko-Frage etwa bei den bosnischen Flüchtlingen in Deutschland hervorgerufen hat: eine Denunziation. Es ist dem Hohen Repräsentanten selbstverständlich nicht vorzuwerfen, dass er eisern auf dem Abkommen von Dayton besteht. Aber als ein Kenner der Vertragsgeschichte weiß Carl Bildt auch, dass sich die konkurrierenden Ansprüche auf Brcko nach Gewicht und Legitimität überhaupt nicht miteinander vergleichen lassen. Einen "Anspruch" der bosnischen Serben gibt es schließlich nur, weil es die serbischen Eroberungen und Massenvertreibungen gegeben hat. Und weil der Westen diese Eroberungen und Vertreibungen spätestens in Dayton sanktioniert hat. Im Vance-Owen-Plan von 1993 gab es den serbischen Korridor durch die Posavina noch gar nicht.

Es gehört zum strategischen Konzept von Dayton, Karadzic und Mladic bis heute frei herumlaufen zu lassen. Und es gibt natürlich Leute, die daraus politisches Kapital zu schlagen versuchen – darunter vor allem Mustafa efendija Ceric, der höchste Geistliche der bosnischen Muslime, der seine Glaubensgenossen wohl am liebsten in ein giftiges und exklusives Opfertum hineinhetzen würde. Die Masse der bosnjakischen Bevölkerung nimmt diese inferiore Sorte von internationaler Friedenssicherung bislang schweigend hin. Es ist immerhin ein Frieden. Und es ist eine Machtfrage. Es ist schließlich die Besatzungsmacht, der es so gefällt. Man geht nicht zu einer Besatzungsmacht und hält ihr den Spiegel vor. Man spricht nicht mit einem Tauben über Musik. Der Besucher spürt die Distanziertheit, das Befremden der Leute. Er spürt die Gereiztheit. Aber in meiner Zeit hat sie sich nur ein einziges Mal in einem öffentlichen Zornesausbruch entladen. Im Herbst 1998 kommt es in Bosnien zu einer scharfen Auseinandersetzung über die anstehende Reform der Schulbücher. Es geht um die Sprache in den Lehrbüchern. Die zuständigen Vertreter der internationalen Gemeinschaft wollen sie versachlichen. Eine Strategie wider den Hass – was wäre dagegen einzuwenden? Die bosnjakische Öffentlichkeit reagiert geradezu allergisch auf gute Absichten dieser Art. In einem Grammatikbuch stand der Satz: "Seid ihr euch eurer Verbrechen bewusst?" Man wollte das Wort Verbrechen durch das Wort Fehler ersetzen.

Aber ich komme zu meinem letzten Punkt. Es ist eher eine Frage oder ein Zweifel: Ich frage mich nämlich, ob wir unsere politischen Beobachtungen während des Zerfalls oder der Zerstörung Jugoslawiens angemessen auf unsere Begriffe, unsere Theoriebildung, unsere Historiographie haben durchschlagen lassen. Ich befürchte, wir haben unsere Konzepte und Kategorien gegen eine nahezu unbegreiflich wechselvolle Empirie nach besten Kräften abgeschirmt. Und wenn sie wirklich unbrauchbar geworden waren, ganz still und unauffällig im Fundus unserer Ladenhüter abgelegt. Wir hätten da zunächst einmal gegen die verführerische Attraktivität einer gewissen historisierenden Tiefgründigkeit anzukämpfen. Allzu häufig ist nicht einmal klar, worüber wir überhaupt reden wollen: über den spezifischen Typus des südosteuropäischen Nationalismus, so wie er sich historisch herausgebildet hat – nenne man ihn nun "ethnisch" oder "kulturell" oder "sprachlich" –, oder über die Ursachen der Balkankriege der Neunzigerjahre. Das ist nämlich durchaus zweierlei. Obwohl sich inzwischen kaum jemand mehr ernstlich täuscht über die entscheidende Rolle des Belgrader Regimes in diesen Kriegen und obwohl wir inzwischen auch ziemlich genau wissen, was der Westen gegen die Politik Slobodan Milosevics hätte unternehmen müssen – und wann –, erscheinen unentwegt und unbekümmert neue Analysen über die "katastrophalen Folgen des Konzepts der Kulturnation" (NZZ, 6.4.01) oder ähnlich formulierte Themen. Gewollt oder ungewollt, suggeriert dieser Typ von Nationalismusforschung eine von weither kommende Einbahnstraße in Chaos und Untergang. In den weitgespannten Horizonten der Geschichte verschwindet oder verblasst doch die konkrete und aktuelle politische Verantwortung Belgrads und nicht minder die konkrete und aktuelle politische Verantwortung der westlichen Außenpolitik für Vukovar, für Sarajevo, für Srebrenica, für Rogovo. Einen überzeugenden Versuch, dieses missliche Durcheinander auseinander zu nehmen und die allerjüngste Zeitgeschichte aus ihrer vermeintlichen Umklammerung durch die epochale Geschichte des Balkan herauszulösen, findet man etwa in den einschlägigen Büchern von Matthias Rüb, dem Balkankorrespondenten der FAZ. Ich zitiere aus Balkan Transit (Wien 1998): "Zur Erklärung des Krieges auf dem Balkan wurde oft weit ausgeholt. Von jahrhundertealten Widersprüchen war die Rede, von Wasserscheiden der abendländischen Kulturlandschaft, vom immerwährenden Religionskrieg und so weiter. Das gilt für diejenigen, die aus historischem oder zeitgeschichtlichem Interesse nach Deutungen suchen. Noch mehr aber trifft es auf die handelnden Personen des jugoslawischen Dramas zu, die ihre folgenreichen, ja verhängnisvollen Entscheidungen an verantwortlicher Stelle zu rechtfertigen suchten." Und in Kosovo (München 1999) heißt es: "Die Ursachen von Kriegen sind immer jung, gleichviel ob es eine ,Erbfeindschaft‘ zwischen Völkern oder Staaten gibt oder ob diese im Geschichtsverlauf in der Regel friedlich mit- oder nebeneinander gelebt haben. Selbst wenn die geschichtlichen Wurzeln eines Konflikts weit in die Vergangenheit zurückreichen, fallen die Ursachen immer in den Zuständigkeitsbereich der jüngeren Geschichte, ja der Zeitgeschichte."

Aber die Rigidität oder Unbelehrbarkeit des vorherrschenden Paradigmas von Nationalismustheorie und Nationalismuskritik reicht noch weiter. Wohl kein ernsthafter Beobachter bezweifelt inzwischen noch, dass es sich bei der Wende in Kroatien Anfang 2000 um mehr als einen bloßen Regierungswechsel gehandelt hat. Ich nenne hier nur einige Konsequenzen des Umbruchs: die Aufgabe der Tudjmanschen Bosnienpolitik – Stipe Mesic genießt heute im bosnjakischen Bosnien ein größeres Ansehen als die eigenen Politiker; dann die Auslieferung aller mutmaßlichen Kriegsverbrecher an das Tribunal in Den Haag; schließlich jetzt die Wiederaufnahme des Verfahrens im Mordfall Reihl-Kir, des im Juli 1991 ermordeten Polizeichefs von Osijek. (NZZ, 4.4.01) Aber eine Überprüfung unseres Kroatienbildes vor dem überraschenden Machtwechsel und im Lichte der neuen politischen Orientierung des Landes ist, soviel ich sehen kann, bislang vollständig ausgeblieben. Das Ereignis ist schließlich nicht vom Himmel gefallen. Man übertreibt wohl kaum, wenn man das gängige Kroatienbild von gestern als ein schon mit Liebe gepflegtes Zerrbild bezeichnet, das ebenso viel mit uns selber und unserem Unbehagen etwa an der genscherschen Anerkennungspolitik zu tun hatte wie mit dem antidemokratischen und skrupellosen Regime Franjo Tudjmans. Auch der verquere Wunsch, dem großserbischen Projekt – wenn man es denn schon nicht mehr einfach leugnen oder ignorieren konnte – doch zumindest ein vermeintlich absolut gleich geartetes großkroatisches an die Seite zu stellen, mag dabei im Spiel gewesen sein. Bereits die Wahlerfolge der Oppositionsparteien nicht nur in Istrien und Zagreb, sondern in allen großen Städten Kroatiens, einschließlich der "Frontstadt" Osijek, hatten nicht mehr ins Bild gepasst. Aber die Beobachtung einer politischen Landschaft im Wandel, im Fluss ist eben etwas grundsätzlich anderes als die laufende Illustration eines längst und endgültig auf den Begriff gebrachten Fallbeispiels von Ethnonationalismus. Wenn wir noch das vielleicht nicht ganz so überraschende Ende der Herrschaft Slobodan Milosevics im Oktober des gleichen Jahres hinzunehmen, dann haben wir eigentlich Anlass genug, unser Verständnis des Nationalismus im ehemaligen Jugoslawien zu überdenken. Es handelt sich offenkundig um ein dynamisches, veränderliches, vielgestaltiges Phänomen, das sich nicht nur formieren, das nicht nur aufsteigen, sondern das auch zerfallen kann. Und der gesamte Konjunkturverlauf nimmt nicht zwei Jahrhunderte in Anspruch, sondern drängt sich auf zwei Jahrzehnte zusammen. Oder, wenn wir den "Kroatischen Frühling" vom Anfang der Siebzigerjahre einbeziehen, auf drei. Innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums gewinnt der aggressive und schließlich auch mordbereite Nationalismus Gewalt über die Massen und verliert sie wieder. Auf eine Phase des zunehmenden Fanatismus folgt unweigerlich eine Phase der allgemeinen Ernüchterung oder Demoralisierung. Der politische Größenwahn fällt in sich zusammen, und breiteste Schichten der Gesellschaft erfassen die verheerende Isolierung des Landes. Das hat an sich nichts Tröstliches. Die kurze Frist der Entfesselung reicht für den Völkermord. Und der unter dem Druck der Alltagsmisere bald darauf einsetzende Stimmungsumschwung hat nichts mit einer Katharsis zu tun.

Immerhin ist die um sich greifende Frustration oder Desillusionierung die elementare Voraussetzung für eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der eigenen Nation. Es sind diese Kurzlebigkeit, Brüchigkeit, Hinfälligkeit des extremistischen Nationalismus und seiner Furcht erregenden Macht über ganze Gesellschaften, die sich dem modischen Geschichtsdiskurs mit seinen auf Dauer und Kontinuität versessenen Leitbegriffen wie Mentalität und Mythos geradezu systematisch zu entziehen scheinen. Mentalitäten, wenn es sie denn überhaupt gibt, entlassen ihre Träger in die universale Welt des individuellen Existenzkampfes, und Mythen verwandeln sich in Folklore zurück. Insofern droht sich dieses Forschungsprogramm oder historiographische Problembewusstsein selbst ins politische Abseits und in die Inaktualität zu manövrieren. Das letzte Jahr hat große Veränderungen auf dem Balkan gebracht. Es hat demonstriert, dass auch ideologisch und politisch tief deformierte Gesellschaften ihr politisches Urteilsvermögen und ihre politische Handlungsfähigkeit zurückgewinnen können. Nur eine reelle Perspektive brauchen sie, und das erkennt die EU im Prinzip ja auch an. Sogar die hercegovinischen Kroaten sind in Bewegung geraten – man wird die militanten Umtriebe der Nationalisten mit Wolfgang Petritsch als verbissenen "Abwehrkampf" begreifen können (NZZ, 12.4.01). Selbst die spektakuläre Unterstützung durch Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo, im Vorfeld der Novemberwahlen hat ihnen nicht viel gebracht. Inzwischen scheinen sie schon selber nicht mehr so recht an ihren Erfolg zu glauben – die panische Wahllosigkeit der Mittel ist unübersehbar. Wieso sollten ausgerechnet wir noch daran glauben ?

Ich fasse zusammen: Erstens: Es gibt meines Wissens keine unabhängige Analyse, die nicht das Kosovo als für Serbien endgültig verloren betrachtete. Die Frage ist nur, welche Chance diese Einsicht hat, die große Politik zu bestimmen. Aber dazu müsste sie sich erst einmal in der politischen Öffentlichkeit unserer Länder Geltung verschaffen. Gegenwärtig hat man den beklemmenden Eindruck, der Westen habe sich mit seiner voreiligen und starren Festlegung auf die bestehenden Staatsgrenzen in ein selbst fabriziertes Dilemma verstrickt. Zweitens: In Bosnien ist die Staatengemeinschaft mit ihrem Versuch gescheitert, die Nationalisten einzubinden und auf diese Weise schrittweise zu entmachten. Um noch einmal Avishai Margalit zu bemühen: Wenn schon nicht Gerechtigkeit, dann doch zumindest Anständigkeit (Politik der Würde, 1999) – die mit dieser Bosnienpolitik unvermeidlich verbundene Verletzung noch der elementarsten Anständigkeit gegenüber den Opfern des Krieges war auch noch sinnlos. Drittens schließlich: Auch der südosteuropäische Nationalismus ist keine tickende Bombe – kein politisch-ideologischer Monolith mit der einprogrammierten Tendenz zur Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Minderheiten –, sondern ein vielgesichtiger und wandlungsfähiger Faktor unter Faktoren, der von außen sehr wohl zu beeinflussen ist – durch Anerkennung seiner legitimen Anliegen und durch entschlossene Zurückweisung seiner illegitimen Machtansprüche.

Bei dem Text handelt es sich um einen Vortrag, den der Autor am 27. April 2001 an der Universität in Bielefeld gehalten hat.