Die Krise des Wohnungsmarktes in den neuen Bundesländern macht Schlagzeilen. Die Probleme liegen jedoch nicht nur im Wohnungsmarkt, in dem sämtliche Fehlentwicklungen der alten Bundesländer noch einmal wiederholt wurden, sondern sie offenbaren darüber hinaus eine Struktur, in der sich die Folgen eines entfesselten Neoliberalismus zeigen. Die Krise der ostdeutschen Städte ist Symptom wie Signal für das Ende des Industriezeitalters in der westlichen Welt.
Als die ZEIT im Frühjahr 1985 ein ganzes Dossier über "Die Chancen des Schrumpfens" (1) veröffentlichte, ernteten die beiden Autoren darauf innerhalb ihrer Soziologenzunft nach eigener Aussage "steinernes Schweigen". Noch vor drei Jahren mussten sich Mitarbeiter eines regionalwissenschaftlichen Instituts im Land Brandenburg Panikmache und "Verrat an ihrem zukunftsgerichteten Forschungsauftrag" vorwerfen lassen, weil sie, aufgestört von den demografischen Entwicklungen in einigen Landesteilen, das Thema "Schrumpfung" auf die Agenda ihres Instituts setzen wollten.
Inzwischen sind die Zahlen in aller Munde: Eine Million Wohnungen stehen im Osten Deutschlands leer, allein in Berlin sind es etwa 100.000, Tendenz unaufhaltsam steigend, die Leerstandsquoten bewegen sich zwischen zehn und fünfzehn Prozent (Landesdurchschnitte!), alarmierende Spitzenreiter sind Leipzig (ca. 35 % stadtweit) und Görlitz (ca. 48 % in der Altstadt), daneben Stendal (über 42 % in den Plattenbauvierteln) und Halle-Altstadt (28 %). Im Januar dieses Jahres ist erstmals eine Wohnungsgenossenschaft unter 33,6 Prozent Leerstand zusammengebrochen, (2) mit Sicherheit nur der erste Fall einer absehbaren Folge von weiteren Insolvenzen, die – einmal ins Rutschen gekommen – "zur Zerstörung des ostdeutschen Wohnungsmarktes insgesamt führen könnte". (3)
Eine Regierungskommission hat die bestürzenden Zahlen gesammelt und als "sozialpolitische Zeitbombe kaum vorstellbarer Dimension" an die Öffentlichkeit gebracht: "Kommt es zu keiner wirklich drastischen Veränderung der politischen Rahmenbedingungen und zu keiner Umsteuerung, dann kann der Leerstand in zwanzig Jahren auf zwei Millionen anwachsen"(4), weshalb die Kommission vorschlägt, drei- bis vierhunderttausend Wohnungen "vom Markt zu nehmen". Seitdem sind Vokabeln wie Rückbau, Abriss, Plattensterben vom Tabu befreit, keine Woche vergeht mehr ohne Reportagen über den Niedergang ostdeutscher Städte. Die Medien stehen im Wettlauf um spektakulärste Bilder und Zahlen; wo bis vor kurzem noch "blühende Landschaften" zu bebildern waren, kann auf einmal alles gar nicht düster genug gezeichnet werden. Der Gesamtverband deutscher Wohnungsunternehmen GdW hat nicht nur eine ansehnliche Broschüre zur Orientierung ihrer Mitglieder herausgebracht (5), sondern auch gleich einen Pressewettbewerb eigens zum Thema ausgelobt. Planerverbände, politische Stiftungen und die im Osten ansässigen Akademien bereiten Fachtagungen für den laufenden Sommer vor. Das so lange verdrängte Aschenputtel-Thema hat die ganz große Bühne erobert.
Unter Kennern hat die Apokalypse der ostdeutschen Problemstädte inzwischen einen Namen: Wittenberge. Die ehemalige Industriestadt an der Elbe, auf halbem Weg zwischen Hamburg und Berlin, hat im letzten Jahrzehnt, neben einer großen Ölmühle, eine der größten Nähmaschinenfabriken Europas verloren und ist seither von einem Drittel ihrer Bewohnerschaft verlassen worden. Ihr komplett leer gefallenes Packhofviertel ist mit seinen blinden Fenstern in schäbigen Gründerzeitfassaden bereits beliebte Kulisse für Filme, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit spielen.
Vielleicht muss es eine solche Geisterstadt mitten in Deutschland erst einmal geben, um sich angesichts der hier stattfindenden Prozesse von althergebrachten Illusionen und somit auch von vorschnell konstruierten Auswegen zu trennen. Der Wohnungsüberhang in den neuen Ländern entspricht keinem der typischen Stadien im "Schweinezyklus" aus Verknappung und Überproduktion, sondern er hat sich zur konstanten Größe mit brisanter Eigendynamik verfestigt: Da man vier vermietete Wohnungen braucht, um die Ausfälle einer leeren fünften zu kompensieren, liegt bei etwa 15 Prozent Leerstand der ökonomische Umschlagspunkt für jede Wohnungsgesellschaft; ab 20 Prozent wird der Konkurs nur noch zur Frage der Zeit. Danach gehen die Wohnungen dann entschuldet und zum Dumpingpreis an einen Neuerwerber, der wiederum mit den jetzt möglichen Niedrigmieten die übrigen Eigner unter Druck setzen und somit eine Abwärtsspirale der gesamten Wohnungswirtschaft einer Region in Gang setzen kann.
Als Reaktion auf diese verhängnisvolle Entwicklung haben inzwischen alle ostdeutschen Länder Förderprogramme für Rückbaumaßnahmen aufgelegt, gemäß der simplen Marktlogik, dass man die Folgekosten des Leerstandes am besten durch Beseitigung der ungenutzten Wohnungen reduziert. 100 Mark wurden anfangs in Sachsen für den Abrissquadratmeter veranschlagt, was etwa 600 Millionen Mark Gesamtförderkosten für den Freistaat ergäbe. Erste Praxiserfahrungen (z. B. in Hoyerswerda) beliefen sich aber nicht selten bis auf das Dreifache. Bis zu siebzig Prozent einer "ordentlich geplanten" und fachgerecht begründeten Rückbaumaßnahme (6) werden von den Ländern übernommen; das verbleibende Drittel kann die Kommune dazugeben, wodurch die wiederum einigen Spielraum für Folgemaßnahmen (im Sinne eines städtebaulichen Vertrages) erhält.
Was allerdings auch nach der Wohnraumentsorgung an den Eignern hängen bleibt, sind die Rest-Buchwerte der oft noch unabgeschriebenen Gebäude sowie die umstrittenen, aber weiterhin fälligen "Altschulden" – ein Resultat des sturen Unwillens der alten Bundesländer, den Wohnungsmarkt des Ostens nach zehn Jahren endlich in ruhigeres Fahrwasser zu entlassen. Die Forderung, für nachweisbar nicht privatisierbare, auf Dauer kaum vermietbare oder gar abzureißende Wohnungsbestände die Altschulden zu erlassen, steht neben einer radikalen Umsteuerung der Eigenheimförderung zumindest für die östlichen Bundesländer auf der Agenda der genannten Regierungskommission unter höchster Priorität; doch in diesen zentralen Fragen ist bislang noch keine Aussicht auf Erfolg zu erkennen.
Dank der kritiklosen Übertragung westdeutschen Erfahrungswissens auf ostdeutsche Zustände hatten bislang nahezu sämtliche stadt- und wohnungspolitischen Fehlentwicklungen der alten Länder in den neuen brave Wiederholung gefunden. Im Eiltempo wurden im Osten die Privatisierung der Städte, Zersiedlung der Landschaft und Segregation der sozialen Milieus "nachgeholt", häufig sogar übertroffen. Doch angesichts der jetzt aufgerufenen Schrumpfungsproblematik zeigen sich auch erfahrene Praktiker aus dem Westen ratlos: Weder dem Wittenberger Packhofviertel noch Neubau-Wohnstädten wie Wolfen-Nord, Schwedt oder Hoyerswerda lässt sich durch "Diversifizierung der Wohnungsangebote", also Ersatz von "Platte" durch "Stadtvillen" oder durch Reihenhäuser mit dem Sehnsuchtsblick auf "Besserverdiener", dauerhaft helfen. Auch die Empfehlung, beim Abriss leer stehender Wohnungen nicht so zimperlich zu sein, weil freigelegtes Bauland "werthaltiger" sei als eine von unnützer Substanz blockierte Immobilie (7), geht am Wesen der im Osten jetzt aktuellen Bewegungen völlig vorbei: Wo die Menschen davonlaufen, verlieren selbst Grund und Boden alle Heiligkeit – No Interest! –, weshalb die aktuelle Krise zwar von den Wohnungspolitikern zuerst bemerkt und zu meistern versucht wurde, jedoch als allein wohnungspolitisches Problem weder zu erklären noch gar zu lösen sein wird.
Offenbar muss man wirklich erst Beispiele wie Wittenberge vor Augen haben, um das ganze Krisenausmaß der ostdeutschen Provinz zu ermessen, in der kritische Experten nicht mehr von Deindustrialisierung, sondern von Deökonomisierung (8) sprechen: Wenn zum Verschwinden der traditionellen Industrie sowie zur Marginalisierung der Landwirtschaft noch der schrittweise Rückbau der Infrastruktur hinzukommt, wenn also die Deutsche Bahn AG "mangels Nachfrage" Haltepunkte oder ganze Linien stilllegt, wenn Sparkassen sich aus der Region zurückziehen, Kultureinrichtungen und Schulen geschlossen, die medizinische und soziale Versorgung ausgedünnt werden ... wie sollen für die betroffene Bevölkerung dann noch Zukunftserwartungen aussehen? Dann wird der ursprüngliche Abwanderungsprozess von Arbeitssuchenden – so verheerend dieser ohnehin schon sein kann – sich in eine regelrechte Flucht aller noch irgendwie mobilen Bewohner verwandeln ... aus Panik vor der rasant um sich greifenden Perspektivlosigkeit: Keiner will jener Letzte sein, der am Ende das Licht ausmacht ...
Paradoxerweise zeichnen sich gerade in der Dramatik des Geschehens die eigentlichen Mechanismen und Hintergründe ab, und nachdem sich die anfängliche Verstörung gelegt hat, dürfen inzwischen einige Erkenntnisse als gesichert gelten:
These 1: Der Leerstand ist kein vordringliches Problem der "Platte". In den "Metropolen des Leerstands" Leipzig oder Görlitz etwa sind Altstadt- bzw. Gründerzeitviertel sogar vorrangig betroffen.
These 2: Die Entleerung der ostdeutschen Städte lässt sich aus demografischen Trends (extremer Geburtenknick nach der "Wende", allgemeiner Bevölkerungsrückgang) nur ungenügend erklären. Auch der häufig veranschlagte "Nachholbedarf" an Eigenheimen im Umland dürfte inzwischen zumeist gedeckt sein, zumal außerhalb der Ballungszentren inzwischen die Kaufkraftentwicklung rückläufig ist. Die Bewohnerverluste gehen aber ungehemmt weiter.
These 3: Übertönt vom Schicksal der Städte, laufen vor allem bestimmte ländliche Regionen leer, geradezu dramatisch im nordöstlichen Brandenburg (Uckermark) und Vorpommern, aber auch in Teilen Mecklenburgs, in der Altmark und der Lausitz. In diesen traditionell ärmlichen und dünn besiedelten Landschaften war zu DDR-Zeiten mit Industrieinvestitionen (Schwedt, Neubrandenburg, Stendal, Eisenhüttenstadt, Schwarze Pumpe) und hoch technisierter Agrarwirtschaft massive Strukturförderung betrieben worden. Nun stellt ein sich selbst überlassener Markt den Status quo ante wieder her: die im vorindustriellen Schattendasein dahindämmernde Krisenregion. Für einige der damals unter heroischen Mühen aus dem Boden gestampften Industrie-Wohnstädte wird dies wohl vor allem eines bedeuten: Sie sind schlicht überflüssig geworden.
Es gibt einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen den Orten, die zuerst und besonders hart von der Leerstandsproblematik betroffen waren (Schwedt, Guben, Hoyerswerda, Wolfen-Nord, Stendal – alles Neustadtgründungen infolge einer forcierten Industrialisierung) sowie den charakteristischen "Wegzugsgruppen", die von 1989 bis 1999 dem Osten eine Abwanderungsrate von mehr als 1,1 Millionen Menschen bescherten: "Es gehen die, die mobiler, risikofreudiger sind und einen guten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz der heimatlichen Bindung vorziehen. ... Zurück bleiben die vom Elternhaus oder vom Schicksal weniger Begünstigten, die Schulabgänger mit den schlechteren Zertifikaten, die weder an weiterführende Bildung noch an glänzende Karrieren denken können und daher mit dem armseligen Angebot des lokalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktes vorlieb nehmen müssen."(9)
Der Zusammenhang lautet: Das Land ernährt seine Leute nicht mehr. Die Ausnahmesituation des politischen Beitritts hat aus dem ehemaligen Industriestaat DDR das Großraumlabor für eine Zukunft jenseits der herkömmlichen (Industrie-)Arbeit gemacht. Niemals zuvor war im Westen ein Strukturwandel dermaßen planlos und ungeschützt dem Selbstlauf überlassen worden. Der nach Kräften verzögerte und kompensatorisch weitgehend abgefederte Niedergang des "alten" Ruhrgebiets ist mit der kollapsartigen Preisgabe der ostdeutschen Industrien in keiner Weise mehr zu vergleichen. Östlich der Elbe hat sich Europas erste Folgelandschaft des entfesselten Neoliberalismus ausgebreitet.
Eines der krassesten Beispiele hierfür ist das Lausitzer Braunkohlerevier: "Seit den fünfziger Jahren sind hier über 60.000 Leute hergekommen, um Energiearbeiter zu werden. Eine Stadt voller Leute, die heute nicht mehr gebraucht werden" (10), beschrieb der Liedermacher Gundermann seine Heimatstadt Hoyerswerda fünf Jahre nach dem Anschluss, illusionslos, denn als Bergarbeiter war ihm seit Anfang der Neunzigerjahre klar, dass es bei allen stadtpolitischen Krisenstrategien eigentlich um ein Daseinsproblem der "Überflüssigen" gehen würde: Das modernste Braunkohlekraftwerk Europas in Schwarze Pumpe verschlang mehrere hundert Millionen Mark, braucht aber nicht mal 200 Leute. Im Bergbau und in den stillgelegten Chemiewerken waren jedoch zehntausende Stellen weggefallen. Das Damoklesschwert der industriellen Monostruktur war auf die "Hauptstadt des Reviers" herabgestürzt.
Was seit Beginn der Neunzigerjahre noch als riesige Welle von Tagespendlern über Bundesländergrenzen hinweg kaum Beachtung fand, zeigt sich nun – da aus den Pendlern innerhalb weniger Jahre regelrechte Arbeitsmigranten geworden sind – in seiner ganzen, fast möchte man sagen epochalen Tragweite. Die Krise der ostdeutschen Städte ist Symptom wie Signal für das Ende des Industriezeitalters in der westlichen Welt.
Die industrielle Revolution hatte ab dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts die bis dahin agrarischen Gesellschaften bis zur Unkenntlichkeit umgekrempelt, indem sie wahre Völkerwanderungen auf die Suche nach Arbeit kreuz und quer durch Europa schickte. Um das neu entstandene Proletariat zu behausen, wurden in einem gewalttätigen Prozess zahllose Städte aus ihrer mittelalterlichen Beschränktheit gerissen und der neuen Produktions- und Konsumwelt angepasst. Wir haben uns in der Industriegesellschaft als dem fraglosen Normalfall einer mitteleuropäischen Existenzweise über anderthalb Jahrhunderte so sehr eingerichtet, dass deren Endlichkeit aus unserem Vorstellungsvermögen verschwand. Nun ist dieses Ende kein Geheimnis mehr (11), doch während in allen Diskursen über zukünftige Wirtschafts- und Gesellschaftsformen immer nur die Figuren, Strategien und Regionen der Gewinnerseite eine Rolle spielen, stehen die Verlierer des Epochenbruchs selten im Licht öffentlicher Aufmerksamkeit – bis sie sich revoltierend bemerkbar machen oder in einem immer breiter anschwellenden Prozess individueller Anpassung eine neuerliche Umkrempelung der gesellschaftlichen Verhältnisse bewirken. Auch wenn sich das vorerst als überschaubare Migration der mobilen "Überflüssigen" aus dem Osten in die noch entwicklungsträchtigen Hightech-Regionen West- und Süddeutschlands auswirkt, könnte dieser Prozess bereits heute zu einer merklich veränderten Siedlungsstruktur einiger östlicher Bundesländer führen, einschließlich der Auflassung ganzer Stadtteile oder der gezielten Absiedlung bestimmter Landstriche.
Wegen dieser gravierenden Auswirkungen, und weil im Grunde niemand weiß, wohin die Reise der postindustriellen Gesellschaft geht, bedarf der Transformationsprozess einer sorgfältigen Begleitung. Um die massenhaften individuellen Betroffenheiten und Verunsicherungen aufzufangen und, wo keine andere Wahl bleibt, ein Rückzugsmanagement nach "integrierten Handlungskonzepten" (12) einzuleiten, sind vor allem kulturelle Strategien gefragt, unter Stichworten wie Entschleunigung, Entdichtung, Verkleinerung, Vorläufigkeit, Abschied. Solch notwendigem Leitbildwandel stand bislang entgegen, dass auf dauerhaftes Wachstum gegründete Gesellschaften "Schrumpfung" oder "Rückzug" einem grundsätzlichen Tabu unterwerfen. Doch gemessen an den fundamentalen Umbrüchen zu Beginn des Industriezeitalters darf an dessen Ende eine neuerliche Infragestellung aller Werte weder verwundern noch beirren. Im Gegenteil – die dramatische Krise der ostdeutschen Städte (vor dem Hintergrund völlig unübersichtlicher Perspektiven der osteuropäischen Nachbarn) sollte Anlass sein, über die Zukunftsaussichten der gesamten herkömmlichen Arbeitsgesellschaft nachzudenken.
Dass in den Kontext einer solchen Grundsatzdebatte bereits ethische Fragen ("Warum ist der Abriss überflüssiger Wohnungen moralisch leichter zu ertragen als das Keulen von überflüssigen Rinderherden?" (13)) wie ökologische Mahnrufe ("Der geplante Abriss ostdeutscher Plattenbauten ist subventionierte Preisgabe von Volksvermögen!" (14)) Eingang gefunden haben, kann als ermutigendes Zeichen gelten, weshalb abschließend noch eine weitere These behauptet werden soll:
These 4: Schrumpfung als ein Symptom postindustrieller Wandlung ist kein spezifisch ostdeutsches Phänomen. Als Krise der Montanindustrie gab es dazu schon viele abschreckende "Vorbilder" in England, Ostfrankreich, Belgien, den USA. Neu ist lediglich die nun erreichte Bandbreite der "Überflüssigkeit": Nahezu das gesamte Erwerbsspektrum einer modernen Industriegesellschaft wurde unvorbereitet zur Disposition gestellt, was nun auf die sozialräumlichen Strukturen der betroffenen Regionen durchschlägt. Je stärker ein Wohnstandort durch den (industriellen) Charakter einer bestimmten Arbeit bzw. Produktion geprägt war, desto unflexibler wird er sich in der heraufziehenden Krise bewähren Und gegen die Gefahren unerwarteter "Überflüssigkeit" ist – gerade im Prozess zunehmender Globalisierung – auch keiner der derzeit noch boomenden Produktionsstandorte westlich der Elbe und südlich der Werra auf Dauer gefeit: Gesetzt den Fall, Toyota übernähme Daimler/Chrysler und schlösse daraufhin – for shareholders benefit – den frisch erworbenen Standort in Deutschland ... was würde dann aus dem Großraum Stuttgart?
(1) Hartmut Häußermann/Walter Siebel: Die Chancen des Schrumpfens; in: DIE ZEIT, 13.-22.3.1985, S. 33 ff.
(2) Wohnungsgenossenschaft Lößnig e. G. in Leipzig-Süd.
(3) Staatssekretär Albrecht Buttolo, Dresden, in der FAZ, 12.7.00.
(4) "Wohnungswirtschaftlicher Strukturwandel in den neuen Bundesländern". Bericht der Kommission, erschienen im November 2000.
(5) "Stadtentwicklungskonzepte als Voraussetzung für Aufwertung und Rückbau". GdW-Arbeitshilfe 32, Januar 2001.
(6) Um für Abrisse Fördermittel zu erhalten, sind kommunal abgestimmte Planungen, einschl. Nachweis von Wohnwertsteigerungen ("Entdichtung" und Umfeldverbesserungen), Sozialplan usw. zu erbringen. Es werden zunehmend Planungswettbewerbe für Rückbaumaßnahmen durchgeführt.
(7) Ulrich Pfeiffer (Empirica) vor einem halben Jahr bei den "Berliner Stadtgesprächen".
(8) Christine Hannemann (Humboldt-Uni Berlin) auf der Tagung "Neue Länder – Neue Sitten?" in Chemnitz, Februar 2001.
(9) Wolfgang Engler: Wer geht, wer bleibt?; in: Der Tagesspiegel, Berlin, 12.12.00.
(10) Gerhard Gundermann: Rockpoet und Baggerfahrer – Gespräche mit Hans-Dieter Schütt, Berlin 1996, S. 57.
(11) Inzwischen weiß jedes Kind, dass die Mehrzahl unserer Konsumprodukte wie die allermeisten Rohstoffe aus Ländern mit extrem billiger Arbeitskraft kommen.
(12) Um ein "Integriertes Handlungskonzept" bemüht man sich in Schwedt, wo für den Interessenabgleich aller Akteure und Betroffenen der anstehenden Flächenabrisse ein Runder Tisch gegründet wurde.
(13) Heike Haarhoff, Gewinnerin des Journalistenpreises 2001 der Bundesarchitektenkammer, in ihrer Preisträgerrede am 19. Februar 2001 in Berlin.
(14) H. W. Hoffmann: Selbstmord auf Staatskosten; in: Berliner Zeitung, 21.11.00.