Nach zwanzig Jahren – eine veränderte KOMMUNE

 

Sechs statt zwölf Ausgaben pro Jahr bei erweitertem Umfang

 

Mit diesem Heft schließen wir den 20. Jahrgang der Kommune ab. Als wir 1983 starteten, war es für alle Beteiligten ein Signal: Weg von einer parteiförmigen Publizistik hin zu einem »Forum für Politik und Ökonomie« (bald mit dem Zusatz »Kultur«). Die Geschichte der Kommune war in ihren Anfängen vor allem ein Prozess der (Selbst-)Überprüfung politischer Positionen.

Wie und was auch immer die Zeitschrift in den Folgejahren, oft stellvertretend für eine zunehmend in Formeln erstarrte Linke, auf den Prüfstand stellte – als wir 1983 begannen, ahnten wir jedenfalls nicht, dass mit diesem Jahr der bundesrepublikanischen Gesellschaft 16 Jahre Kohl’sche Regierungszeit bevorstanden. Deren erste Phase kann man rückblickend – innen- wie außenpolitisch – durchaus als merkwürdigen Stillstand wahrnehmen. Erst das Ende der Sowjetunion und der Fall der Mauer brachten jene Widersprüche in einer nun vollends globalisierten Welt hervor, die in der Zeit der Blockkonfrontation nur geschwelt hatten und die alte Bundesrepublik heute vergleichsweise als Insel der Seligen erscheinen lassen. Neuerlich, so muss man nach überraschenden und Lager verwirbelnden Konfrontationen um Krieg und Frieden wohl sagen, ist ein Ende ehemaliger Gewissheiten gekommen. Es gehört zu den guten Traditionen der Kommune, sich einer neuen Situation zu stellen.

Im Rückblick ist es vielleicht nicht so unbedeutend, wie die Kommune in einem – manchmal durchaus ausfransenden – Prozess der Auseinandersetzung die Grünen hin zu einer parlamentarischen Reformpartei begleitete. Und wenn Autorinnen und Autoren, um ein weiteres Beispiel zu nennen, zu einem frühen Zeitpunkt ahnten, dass der Auflösungsprozess des jugoslawischen Staatsverbundes – der sich in der verfassungswidrigen Aufhebung des Autonomiestatus des Kosovo durch Serbien ankündigte – mit einer gewaltförmigen Neuordnung durch den Nationalisten Milosevic einhergehen und den Krieg nach Europa zurückkehren lassen könnte, dann entsprang das auch einer vorangegangenen Neubetrachtung der Krisen der osteuropäischen Staaten. Nicht nur aus dieser Perspektive war der europäische Einigungsprozess – nach zwei Weltkriegen und dem Ende der imperial-kolonialen Geschichte seiner Hauptmächte – nun erkennbar ein zugleich die ökonomischen Widersprüche dämpfender, doch in seiner politischen Dimension äußerst fragiler, also ungewisser Prozess. Mit völlig offenem Ausgang.

 

In den 20 Jahren ihrer Existenz hat die Zeitschrift mit einem stetig wachsenden, aber immer auch sich verändernden Kreis von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ihren Charakter als »Forum« von Analysen, Kommentaren und Einsprüchen vertieft. Sie hat sich in dieser Zeit von einem zielgerichteten Geschichtsbild abgewendet, und vielleicht mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben, hat sich dabei jedoch keiner Partei verschrieben und eine Distanz selbst zu jenem Projekt gewahrt, an dessen Existenz sie selbst nicht unbeteiligt war: Rot-Grün. Und auch das ist kein Ende der Geschichte.

Als wir vor 20 Jahren begannen, bewegten wir uns im Umfeld einer »Gegenöffentlichkeit«, einem Netz von alternativen Buchläden wie anderen Vertriebs­strukturen, und neben einer Medienwelt, in der etliche Gedanken keinen Zugang fanden. All das hat sich über zwei Jahrzehnte stark verändert.

Die Kommune war zu keinem Zeitpunkt ihrer Existenz ein »kollektiver Organisator«, ihr »Eingreifen« bestand immer in Analyse, Gedanke, Wider- und Einspruch. Um griffige Einsichten ging es ihr nie, und daher machte sie es mit ihrer Vielfältigkeit den Leserinnen und Lesern auch nicht leicht. Doch je hektischer die Zeiten, je schneller politische Säue und Eber heute durch das erweiterte mediale (Welt-)Dorf getrieben werden, umso notwendiger erscheint uns ein »Forum«, in dem grundsätzliche Gedanken und Analysen ihren Platz finden.

 

Der schwierige Marktzugang, geringe Mittel und das Fehlen eines Verlages waren immer ein Problem für die Verbreitung einer Monatszeitschrift, die sich nicht in »reiner Politik« erschöpfte. Wir glauben, dass in einer zweimonatlichen Erscheinungsweise die Qualitäten einer »Insiderzeitschrift«, wie die Kommune mal lobend, mal einschränkend genannt wurde, besser zur Geltung kommen. Darum werden wir mit der ersten Ausgabe des Jahres 2003 – Ende Januar erscheint Heft 1/03 – zu einem zweimonatlichen Rhythmus übergehen. Die neue Form bedeutet nicht, dass wir den Charakter der Zeitschrift als »Forum« verändern. Im Gegenteil. Wie schon das neue »Logo« signalisiert, soll der »Forum«-Charakter gestärkt werden, sollen Diskussion und die Substanz der einzelnen Beiträge auch durch Schwerpunktbildungen weiter verbessert werden. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die Stärke dieser Zeitschrift seit je ausmachten, möchten wir das Niveau und den Nutzen der Kommune weiter erhöhen.

Die einzelne Ausgabe wird mit 112 Seiten und einem größeren Format erheblich erweitert. Ein großzügigeres Lay-Out, eine neue lesefreundlichere Grundschrift sollen, zusammen mit der Betonung eigenständiger visueller Aussagen, auch das Vergnügen bei der Lektüre erhöhen.

Mit neuen Vertriebsanstrengungen werden wir die Verbreitung des Heftes intensivieren. Gerade für die Erhöhung der Auflage brauchen wir auch das Engagement unserer Leserinnen und Leser, unserer Abonnentinnen und Abonnenten! Wir bitten Sie und Euch also nicht nur um einen Vertrauensvorschuss für die »neue« Kommune, sondern auch um jene kleineren und größeren Initiativen, die dieses Projekt nicht nur sichern helfen, sondern seinen Einfluss weiter stärken!

Die Redaktion

 

Im neuen Jahrgang kostet das Einzelheft 10 Euro, das Jahresabo kostet 55 Euro, das Halbjahresabo für Studenten und Arbeitslose kostet 20 Euro, das Jahresabo Ausland 60 Euro. Wir freuen uns auch auf Förderabos für 80 Euro.