Die Übersetzung von Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien hat Peter Handke im späten Frühling erneut nach Belgrad geführt, wo er auch seine Gefährten der winterlichen Reise wieder traf. Das gab Gelegenheit "zu einer Art Wiederholung unserer ersten Fahrt durch das Land, mit der erhofften Variante, von der westserbischen Grenzstadt Bajina Basta hinüber nach Visegrad in die inzwischen so genannte ,Republika Srpska` von Bosnien zu gelangen, der Brücke dort über die Drina und Ivo Andric' wegen, und einfach nur so". Und einfach nur so hat die Reise dann auch ins von Serben eroberte, zerstörte und von Muslimen "gesäuberte" Srebrenica geführt. Die Richtung von Handkes Annäherung an Bosnien bleibt konsequent. Aus den Eindrücken entstand ein Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise. Beide Bücher führen direkt ins Innere eines Sehers, dem das, was er sieht und hört, nur als Vorwand dient, dieses Innere nach außen zu stülpen und dem Unrat entgegenzusetzen, den andere, "Fernfuchtler" und die "Auslandsreporterhorde", über das "Serbenvolk" ausschütten. Denn dieses Serbenvolk ist seinerseits etwas ganz besonders Beseeltes, wovon Handke nicht weniger als die Ideologen des Serbentums überzeugt ist.
Gegenüber seiner Polemik gegen die Demokratie in Slowenien, der er den Verrat an seinem "neunten Land" vorgeworfen hatte, geht Handke in seiner Gerechtigkeit für Serbien ein gutes Stück weiter auf dem Weg eines aggressiven antipolitischen Romantizismus. Das "Serbenvolk" wird ihm zum "Waisenkind" des "weiten Landes", das angeblich durch die "Staatserhebung" der früheren jugoslawischen Republiken, das heißt die Unabhängigkeitserklärung der konstitutiven Einheiten der jugoslawischen Föderation, zerstört worden sei. Handke sind dadurch die Wanderwege versaut worden, weil seither in Slowenien dauernd dazu aufgefordert wird, Abfälle nicht in die Landschaft zu werfen - natürlich nur, um sich bei den Österreichern und Deutschen lieb Kind zu machen. Solche Liebedienerei hatte er im Epilog zur Winterlichen Reise... ebenso angeprangert, wie er in der Einleitung angedeutet hatte, die Befehlshaber der Armee des Zentralstaates hätten damals, 1991, auf Grund ihrer südslawischen Brüderlichkeit die Rekruten, die sie ins Feld geschickt hatten, zum Opfer slowenischer Freizeitjäger werden lassen, obwohl sie doch, wenn sie gewollt hätten, ganz anders hätten zuschlagen können. Überhaupt liebt er das Argument ex negativo. Da die Armee Kroatien nicht unterwerfen konnte, neigt er zu der Ansicht, daß es sich bei jenem "Gewalttraum von ,Großserbien`" höchstens um "Legendensandkörner" gehandelt habe, die "in unseren ausländischen Dunkelkammern vergrößert wurden zu Anstoßsteinen":
"Hätten die Machthaber in Serbien, falls sie denn in der Tat geträumt hätten, es nicht in der Hand gehabt, in der rechten wie in der linken, ihn kinderleicht ins Werk zu setzen." Ihn kinderleicht ins Werk setzen zu können, hatten die Machthaber tatsächlich gedacht und hatten dabei ja auch gewaltige Anfangserfolge. Aus einer strategischen Fehleinschätzung auf mangelnden Willen zu schließen - mit dieser Methode könnte man auch die deutsche Geschichte umschreiben.
Nach all dem kann es kaum noch überraschen, daß Handke inzwischen das "Serbenvolk" in Bosnien als letzte Indianer auf den Hügeln rund um Sarajevo und andere Städte erscheinen. Als ob sie dort mit Pfeil und Bogen den Canyon entlang geritten wären, um die überlegene Macht zu belauern und in einzelnen Scharmützeln an der Landnahme zu hindern. So mündet Sommerlicher Nachtrag... folgerichtig in eine ",Letzte Frage`": "Wie hat man den Kampf der Serben in Bosnien wahrgenommen? Dazu siehe vielleicht wieder die ,Geographie`: die Freiheitskämpfer oben - auf den Bergen -, die Zwangsherren in den Tälern, so als Opfer ,vor-gesehen` - aber erscheinen nicht auch in den Western die bösen Indianer oben auf den Felsklippen, die friedlichen Ami-Karawanen überfallend und metzelnd - und kämpfen die Indianer nicht doch um ihre Freiheit? und ,allerletzte Frage`: Wird man einmal, bald, wer?, die Serben von Bosnien auch als solche Indianer entdecken?" Wer sie als solche schon entdeckt hat, ist damit beantwortet, auch wenn aus Handke noch kein "man" geworden ist. Die Bosniaken scheinen ihm jedenfalls zu Kolonisten geworden zu sein, die dem Serbenvolk wie die friedlichen Ami-Karawanen, vielleicht durch eine höhere Geburtenrate und anschwellende Bevölkerungsflut, ihr weites Land rauben wollten. Das spricht die Fieberphantasien der schlimmsten Ideologen des Serbentums als denkbares Ergebnis zukünftiger historischer Forschung aus. Dabei hatte Handke die Bosniaken im ersten Buch noch zu "serbokroatisch sprechenden, serbischstämmigen Muselmanen Bosniens" erklärt, war also von einem Bruderkrieg ausgegangen, der durch das "Kurz- und Kleinschlagen Jugoslawiens" durch äußere Bösewichte ausgelöst und angeheizt wurde.
Erst die Indianermetapher läßt im nachhinein Handkes merkwürdige Anschauung Serbiens in seiner "winterlichen Reise" verständlich werden. Er hatte es als Reservat eines ursprünglicheren Volkes wahrgenommen. Nun ist er den Teilen des Stammes begegnet, die sich auf den Kriegspfad begeben hatten und es nicht akzeptieren wollten, zu "Verwaisten" des "weiten Landes" zu werden, wodurch es so aussehen kann, "als seien die meisten Serben in Bosnien für die meisten Serben in Serbien Fremde, und das vielleicht nicht erst seit dem Krieg". Ihnen stand eben die Notwendigkeit einer indianischen Reconquista, anders als den Indianern im eingekreisten und isolierten Reservat, immer noch vor Augen.
Handke scheint unter den Serben nach der Wirklichkeit seiner Jugendbücher zu suchen. Hatte er in der "winterlichen Reise" nicht immer wieder von einer "Abenteuerreise" gesprochen, als es um ein bißchen Bergfahren im Schnee ging? Handkes Betonung des "Abenteuers" an der Drina mußte einem merkwürdig vorkommen in dieser Zeit des großen Mordens. Aber Handke reiste für sich im Indianerland, und das bleibt ein Abenteuer, egal, was gleich nebenan wirklich geschieht. Milosewic konnte da wie ein Häuptling Seattle erscheinen, der ins Lager der Weißen fährt, um einen Frieden für sein geschundenes Volk auszuhandeln. Ihr müßt das noch mal nachlesen, um mit Handke zum Du und der Ansprache überzugehen.
Zum Schluß seines damaligen Buches hatte er Auszüge aus einem halluzinatorischen Abschiedsbrief zitiert und auf jede Interpretation verzichtet. Er sollte für sich selbst sprechen: "Der Verrat, der Zerfall und das Chaos unseres Landes, die schwere Situation, in die unser Volk geworfen ist, der Krieg (serbokroatisch ,rat`) in Bosnien-Hercegowina, das Ausrotten des serbischen Volkes und meine eigene Krankheit haben mein weiteres Leben sinnlos gemacht..." Handke hatte schon diesen Brief als Testament eines Indianerhäuptlings gelesen. Deshalb blieb die Behauptung von der "Ausrottung des serbischen Volkes" in Bosnien-Hercegowina für ihn wahr zu einer Zeit, als die serbischen Massaker an der muslimischen Bevölkerung von Srebrenica von niemand mehr bezweifelt werden konnten. Dieses Testament war der Wegweiser seiner zweiten Reise. Das Tertium comparationis zwischen dem "Serbenvolk" und den Indianern ist für Handke die Ausrottungsdrohung gegen die Ursprünglicheren. Und die kann für Handke eventuell auch in der Aufhebung des Embargos bestehen, während ihm der mörderische Zug gegen Srebrenica wie Tejas letzte Schlacht am Vesuv erscheint. Wenn man sich mit Handke verstehen und sich mit ihm auseinandersetzen will, hat es wenig Sinn, auf Fakten zu beharren - darauf verweist er selber -, man muß in die deutsch-mythischen Vorstellungswelten eines Karl May und eines Felix Dahn zurückgehen, in denen sich ebenfalls Eroberer- und Opfermythen, germanische Heldenträume und edle Wildengeschichten unauflösbar verwirrten. Und so herum wird dann Handke zu einem Dolmetsch der serbischen Gefühlswelt für die deutsche Seele. Irgendwas muß dieser Irrsinn doch an sich haben, wenn er vor einer feierlich lauschenden Gemeinde nie auf befreiendes Gelächter stieß.
In aller Verschrobenheit bohrt Handke allerdings an einem wichtigen Problem: Das frühere Jugoslawien war sicher kein moderner Staat mit Rechtsgarantien für seine Bürgerinnen und Bürger. Insofern war es ein "weites Land", in dem sich ethnische Vorherrschaft und Expansion um so freier entfalten konnten, als die Republiken keinen Rechtsraum bildeten und die Partei, noch mehr aber Armee und Geheimdienste, weitgehend unter serbischer Kontrolle standen. Demokratische Staatsbildung konnte deshalb nur über die Republiken gehen. Und da Handke den Staat als Raum des Politischen ohnehin und von vornherein ablehnt, versteht es sich von selbst, daß er die Unabhängigkeit der Republiken verwirft und die spätestens durch den innerjugoslawischen serbischen Staatstreich gegen den Kosovo und die Voivodina gesicherte serbische Vorherrschaft in Jugoslawien gar nicht zur Kenntnis nimmt. Sie änderte nämlich nichts an den vormodernen, apolitischen Zuständen des "weiten Landes", wohl aber die auf sie antwortenden Unabhängigkeitserklärungen der Republiken. Handke kann sie aus seiner Sicht als Unterdrückung des "Serbenvolkes" wahrnehmen, gegen die er "fast sicher" in jungen Jahren und ohne familiäre Verpflichtungen als Serbe selbst zur Waffe gegriffen hätte. So wird ihm das Serbenvolk zum Opfer einer modernen Staatsbildung, die über die Republiken gehen mußte, weil Jugoslawien vielleicht Raum für Liberalismus, nicht aber für Demokratie bot. Handkes "Ahnungen" stammen sämtlich aus dieser vorstaatlichen Anschauung, die nach Pluralismus und Institutionen, ihn zu sichern, noch nicht einmal fragen läßt. Er teilt das Manko, das Jugoslawien als Staat auszeichnete, als Prinzip. So kann bei ihm pseudoanarchistische Antipolitik direkt in völkische Apologetik umschlagen. In sie verrennt er sich mit seinen "nachhaltigen Reisen" unter das "Serbenvolk" immer mehr. So werden ihm schließlich die Mörder von Visegrad und selbst Srebrenica zu Verteidigern des "weiten Landes", das er und sie suchen. So sitzen diese Serben-Indianer nach gewaltsamer ethnischer Säuberung einsam und depressiv als die eigentlichen Opfer herum, weil sie niemand in der Welt außer Peter Handke verstehen will. Der verweist bei der Frage nach dem Warum? auf die "Vorgeschichte". Er findet Rache zwar "unverzeihlich", findet in ihr aber doch Erklärung: "Zählte denn nicht, vor allem, das zu Beginn dieses Krieges Geschehene, nein Verbrochene - und da einmal nicht von den Serben -, zu der Vorgeschichte. War (es, fehlt im Text, Anm. js) eine oder vielleicht überhaupt die große Ursache für eine dabei so oder so unverzeihliche Rache dann drei Jahre später?" Aber hatte er bei der Vertreibung der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung aus Visegrad nicht ebenfalls gefragt, warum das geschehen konnte, und hatte dabei die naheliegende Antwort, daß die einen den Krieg wollten und die anderen nicht auf ihn vorbereitet waren. Für die "große Ursache" für das "mutmaßliche Rachemassaker" hat er keinerlei Belege außer dem Hörensagen der Massakreure.
Der Schlüssel für diese Sucht, zu verstehen und im "Verständnis" dann selbst noch ein Einvernehmen zu finden, liegt vielleicht in folgendem Satz aus Eine winterliche Reise... :
"Allzuschnell nämlich waren für die sogenannte Weltöffentlichkeit auch in diesem Krieg die Rollen des Angreifers und des Angegriffenen, der reinen Opfer und der nackten Bösewichte, festgelegt und fixgeschrieben worden." Der Satz bezieht sich auf den Krieg in Bosnien und schließt mit dem "auch" auf die Kriege in Kroatien und Slowenien zurück, erinnert an den Golfkrieg und verweist zugleich ganz allgemein auf alle Kriege, in denen grundsätzlich "allzuschnell" über Recht und Unrecht entschieden wird. Der Satz ist wichtig für jemanden, der sich die ganze Zeit mit seiner halben Deutschstämmigkeit herumschlägt.
Die Rollen des Angreifers und des Angegriffenen zu unterscheiden ist wesentlicher Gegenstand des Völkerrechts. Dabei geht es beim Urteil um die Beziehung von Tatsachen und Rechtsprinzipien. Das Urteil mag noch so schwierig sein und noch so differenziert ausfallen - es ist möglich. Wird ein solches Urteil gefällt, und es kann ja auch in doppeltem Freispruch oder doppelter Verurteilung bestehen, wird es keinerlei substantielle Aussage über Völker oder gar Individuen enthalten, das die einen als reine Opfer und die anderen als nackte Bösewichte festlegt und fixschreibt. Es ist ein Urteil über Politik, über Willensakte politischer Akteure mit umreißbaren Verantwortlichkeiten, kein Urteil über den Charakter ganzer Völker oder von Individuen aus diesen Völkern. Indem Peter Handke das Urteil über die Handlungen von Staaten und politischen Akteuren mit einem Urteil über den Charakter von Individuen und Völkern in eins setzt, verwischt er alle Grenzen, innerhalb derer politische und völkerrechtliche Urteile getroffen werden können. Erst damit schafft er den Raum für seine Forderung nach "Gerechtigkeit für Serbien". Indem er besuchsweise herausfindet, was niemand bezweifelt (daß das "Serbenvolk" aus "Menschenkindern" besteht wie andere Völker auch - seiner Ansicht nach sogar besonders erdverbundenen und würdevollen), glaubt er zu beweisen, daß Serbien nicht das politische Zentrum der Zerstörung Jugoslawiens und der Aggression gegen die anderen Republiken gewesen sei. Immer ersetzt er politische Kategorien durch völkische. Wie diese völkischen Kategorien dann selbst noch die Dinge und die Dinge umgekehrt die Völker "natürlich" prägen, will ich anstandshalber hier beiseite lassen. Offensichtlich aber ist, daß, wenn man zum Beispiel die Nürnberger Prozesse als Brandmarkung aller Deutschen als "reine Bösewichte" hätte verstanden wissen wollen - und sie wurden von vielen Deutschen so verstanden -, man ebenfalls die Weltöffentlichkeit für ihr allzuschnelles Urteil hätte anklagen können. Das habe ich noch in den Ohren.
Wie kommt nun die Wirkung der beiden gruseligen Texte des Sehers zustande? Der seherische Gestus wirkt ästhetisch auf alle, die selbst gerade nicht hinsehen wollen. Das ist nicht weiter erklärungsbedürftig. Keine Frage: Warum sollen geschmacklose Schreiber nicht ein geschmackloses Publikum finden? Das kommt dauernd vor. Warum aber lassen sich Leute, die ein politisches Urteil beanspruchen, von Texten überwältigen, die literarisch geschraubt und politisch nichtig sind? Peter Handke hat es fertiggebracht, mit der Polemik gegen die angeblich allgemeine Meinung linke Fehlurteile und anarchoide Urteilsunfähigkeit einerseits und vorstaatliche völkische Mythen andererseits gleichzeitig zu bedienen. In einer Situation, wo alle Absicht, nicht so genau hinsehen zu wollen, weil man eh nicht durchblicken könne, wo alle angebliche Urteilsunfähigkeit als Unwille, ein politisches Urteil zu fällen, durch den Genozid in Srebrenica desavouiert wurde, wirkte es offensichtlich entlastend, zu erfahren, was niemand bezweifelt hatte: Serben sind auch Menschen. Waren dann nicht alle Forderungen nach Intervention in Wirklichkeit antiserbisch und ungerecht? Da die Intervention dennoch bereits stattgefunden hatte, konnte man sich zugleich bei den Lesungen zurücklehnen und mit dem Trost nach Hause gehen, daß das Blutbad nun vorläufig beendet sei und man sich nun wieder tieferen Fragen zuwenden könne als Problemen der politischen Urteilsbildung über einen mörderischen Krieg. Mit der Verwischung der Kategorien der politischen Urteilskraft mit denen einer anschauenden Völkerpsychologie konnte zudem darüber nachgegrübelt werden, ob ihrerzeit die Deutschen vielleicht auch nur verkannte Indianer waren.
Vielleicht sind es sogar alle Europäer, angesichts der "sehr, sehr fremden Soldaten", schwarzen Amerikanern nämlich, die im Notfall in Europa das Schlimmste zu stoppen versuchen, aber eigentlich nur "friedlichen Ami-Karawanen" den Zugang sichern: Vielleicht wurde in Srebrenica eigentlich gegen McDonalds gekämpft? "Natürlich" vergeblich. So sind sogar die Mörder unglücklich. Aber nur, weil wir sie immer noch nicht verstehen. Müßte La Serbie profonde nicht unser europäisches Ding sein mit seinen "anders gelben Nudelnestern", seinem "erztrüben wie klarschmeckenden Eigenbauwein", dem "walddunklen Honig" und den "himmelaufweidenden Schafen"? Werden wir mit unserer Beteiligung an der "Friedensverdragsdurchführungstruppe" in Wirklichkeit nicht nur zur Hilftstruppe einer weltweiten Amerikanisierung, deren erste Opfer eben die wirklichen Indianer waren? Das ist der eigentliche Sinn der Indianermetapher für das "Serbenvolk". Die sich unabhängig erklärenden Republiken Jugoslawiens sind dann eben nur Brückenköpfe zur Eroberung eines weiteren "weiten Landes" durch Amerikanisierung und Globalisierung, das allein noch das verratene, aber ursprünglichere Serbenvolk und speziell die bosnischen "Serbenleute" verteidigen. Das macht sie zu edlen Wilden und tragischen Helden.
"Und wieder ein Sommerhimmelmorgen, mit Schwalbenknickflügen hoch und weithin im Blauen. Späte Anfahrt von Bajina Basta, nordwärts auf der Drina-Uferstraße. Das Grünwasser des Flusses zwischen den Ufersträuchern und wieder das nun schon wochenlange Pappel- und Weidenflaumtreiben; und die allmählich ergrauenden Akazienblütenbüschel, immer noch helle Fährten bergauf bis zu den Nadelbaumsäumen, der zugehörige Nektargeruch schubweise zu den ganz offenen Autofenstern herein: innerstes Serbien." Da kann der Frieden nur von außen gestört worden sein. Peter Handke ist unterwegs nach Srebrenica. Nächstes Mal will er dort zu Abend essen und noch besser zuhören. Lagerfeuergeschichten. Noch nachhaltigeres Reisen. Weitere Stilblüten und Obskurantismen.
Peter Handke, Eine winterliche Reise zu den Flüssen
Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien,
Frankfurt/Main (Suhrkamp Verlag) 1996 (135 S., 24,00 DM)
ders., Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise, Frankfurt/Main
(Suhrkamp Verlag) 1996 (92 S., 24,00 DM)