Es sind Träumer par excellence, die da singend und deklamierend im Auto hinunter nach Arezzo rollen. So sehr glauben Kellner Guido und sein Freund Ferruccio, der Polsterer, an eine Zukunft als Buchhändler und Dichter, daß ihnen auch ein Versagen der Bremsen nichts anhaben kann. Im Gegenteil. Als sie in eine Dorfmenge hineinzufahren drohen, winkt Guido sie mit ausgestrecktem Arm beiseite - und empfängt dafür enthusiastisch den faschistischen Gruß, denn schließlich hat die Menge auf den Duce gewartet! Im nächsten Ort kann Guido einem Bauernmädchen als Prinz die Aufwartung machen, und dabei fällt ihm gleich eine schöne Frau in die Arme! Das Leben ist schön.
Guido sieht in Arezzo schon die bedrohlichen Zeichen des Faschismus, aber als Lebenskünstler sind sie ihm nur Anlaß, sie spielerisch zu übertrumpfen. Es ist der Charme des poetischen Träumers, der ihn das Herz der Angebeteten gewinnen läßt, und es ist die Unschuld des Narren, der den reichen Verlobten aus dem Felde schlägt. Wo Offenheit und Unverschämtheit der reinen Seele Triumphe feiern, da wird das Böse mit beißendem Spott überzogen, und da scheint es, als sei dessen Macht beschränkt.
Natürlich hat in dem schwankhaften ersten Teil seines Märchens aus finsteren Zeiten der italienische Komiker Roberto Benigni schon die Zeichen einer kommenden Tragödie gestreut, nur wirken sie immer auch komisch. Da erscheint das Pferd von Guidos Onkels grün angemalt mit der Aufschrift "Cavallo ebreo", da hält Guido als falscher Schulinspektor eine Rede, in der er den arischen Rassenwahn an seiner Schlacksgestalt ad absurdum führt, und da versucht er seinen Sohn vor dem Schrecken der Wirklichkeit zu schützen, indem er das Kaufmannsschild "Eintritt für Hunde und Juden verboten" damit relativiert, daß andere eben den Eintritt für Chinesen und Känguruhs verbieten würden, in ihrem Buchladen würden sie aber nun Spinnen und Westgoten den Zutritt verwehren!
Was aber tun, wenn das Schrecklichste geschieht,
wenn Guido mit Sohn, Frau und Onkel ins KZ verbracht wird? Da
beginnt Guido die grausame Wirklichkeit für seinen Sohn in
ein Spiel umzuformen, in dem es tausend Punkte zu erzielen gilt,
um am Ende als ersten Preis einen echten Panzer zu gewinnen. So
wird der Transport in den Waggons zur privilegierten Reise, für
die man gerade noch eine Fahrkarte bekomen hat, und im Lager gilt
es, die abscheulichen Verhältnisse in Hürden für
das Punkte-Ziel zu verwandeln. Da kommt der im ersten Teil angedeutete
Unwille des Buben geduscht zu werden gerade recht, um ihn nun
vor dem "Duschen" im KZ zu bewahren! Und selbst als
man Guido fängt und zum Erschießungsort bringt, spielt
er auf diesem Weg seinem Sohn noch einen Slapstick vor! - Am nächsten
Morgen flüchtet die Wehrmacht, der kleine Giustino verläßt
sein Versteck, und siehe da, es kommt auch schon der erste Preis
um die Ecke. Auf dem Panzer der US-Army fährt Giustino durch
den Strom der befreiten KZ-Häftlinge, bis er am Rande der
Straße seine Mutter sieht. "Mama, Mama - wir haben
gesiegt, wir haben gesiegt!"
Das Leben ist schön ist eine Zumutung, aber keine eindeutige. Denn dem märchenhaften Ende ist der Tod seines Protagonisten vorausgegangen, und man weiß, daß Giustiono gewiß einmal die grauenhafte Wahrheit erfahren und sich das Spiel in Schrecken zurückverwandeln muß. So nehmen wir noch dieses Happy-End als eine Tragödie wahr, in der Benigni ständig mit einem doppelten Boden gearbeitet hat. Doch um welchen Preis?
Im ersten Teil kann Benigni im spielerischen Umgang mit den Versatzstücken des italienischen Alltagsfaschismus den Schrecken des Regimes noch in grelle Komik verwandeln, ohne daß dabei die Mischung aus naturalistischen Szenen und Slapstick-Nummern in die Verharmlosung abrutscht. In dem Moment aber, wo die Handlung ins Konzentrationslager mündet, wird Benignis Film zwar nicht degoutant, offenbart aber die Schwächen, die ein komisches Märchen in der Sphäre des Holocaust wohl zwangsläufig bekommen muß. Weil Benigni durch seinen Protagonisten den kindlichen Blick evoziert, bleibt über weite Strecken der Schrecken des Lagers ausgespart, vor allem aber stößt Benigni selbst an die Grenzen seines Spiels und Stils. Er ist nicht Charlie Chaplin. Seine Komikerstärken liegen in bissigen oder auch grellen "Nummern", doch vor dem Hintergrund des Lageralltags werden sie so fragwürdig wie die Mittel der Inszenierung, in der er zwischen Naturalismus und Symbolismus, damit aber auch zwischen Angemessenheit und Verharmlosung schwankt. Wenn Benigni seinen Zug im Lagerhof ankommen läßt, dann wirkt die Szene ziemlich beschaulich; wenn er vor Dutzenden verhärmter Gefangener für seinen Sohn eine Übersetzungsfarce der martialischen Rede des deutschen Soldaten hinlegt, dann mag mit dem Blick auf den Sohn dieser "Spaß" aufgehen, die Opfer aber werden zur Staffage. Widerwärtig waren mir die Szenen, wo Benigni mit Papp-Ambossen den schweren Arbeitseinsatz mimt und das Grauen zum Klamauk wird.
Große Intensität aber erreicht Benigni immer dann, wenn er keine Szenen arrangiert, sondern sich nur im Dialog mit Giustino befindet. Wortreich erklärt er ihm etwa, daß er ja nicht glauben solle, wenn man ihm erzähle, sie alle würden "zu Knöpfen und Seife" gemacht: "Du glaubst doch nicht, daß diese Knöpfe von einem Menschen stammen!" und greift sich dabei an sein Gefangenenhemd, "du glaubst doch nicht, daß ich mir mit unserem Freund André die Hände wasche! Glaub doch solchen Unsinn nicht!" Da wird die Ungeheuerlichkeit des Holocaust (wie die Absurdität seiner Leugner in der Gegenwart) so klar, wie die Verdrängung der Täter und Wegschauer in der Szene, als der Lagerarzt Dr. Lessing (den Guido früher als Gast im Restaurant mit blitzschnellen Rätsellösungen begeisterte) so verzweifelt über Guidos Lage scheint, daß dieser auf eine Flucht zu hoffen beginnt; doch einen Moment später muß Guido begreifen, daß Dr. Lessing nur auf Hilfe nach der Lösung seines Rätsels sinnt. Da grimassiert Benigni nicht, wird für einmal wortlos und schaut den wahngezeichneten Arzt nur mit den großen Augen des Entsetzten an. Im Kontrast mit dem eindrucksvollen Horst Buchholz (als Dr. Lessing) erreichen Benigni und der Film wirklich zwingende Intensität. Davor und danach aber bleibt die Frage, ob der komödiantische und "kindgerechte" Umgang mit dem Holocaust nicht doch der falsche ist.