Mit uns zieht die alte Zeit

Über Rechtsradikalismus und den Osten

Lutz Rathenow

Was ist zu tun, um der Präsenz fremdenfeindlicher bis rechtsradikalen Denkens in ganz Deutschland und vor allem im Osten entgegenzuwirken? Zahlreiche Bücher fühlen sich dieser Aufklärung mehr oder weniger verpflichtet. Der Autor sichtet einige und bringt eigene Erfahrungen mit ein.

Alle existierenden Urteile und Vorurteile über den Osten lassen sich mühelos bestätigen. Vor allem, wenn man selbst aus der Ex-DDR stammt und die Einheimischen-Ost keine Hemmungen haben, zu sagen, was sie denken. Oder was in ihnen denkt. Wie die Taxifahrerin in einer kleinen Stadt auf dem Weg zum nächsten Bahnhof. Sie schimpfte auf die Ausländer, auf eine raubmordende Bande aus Rumänien besonders. Ich fahre oft Taxi. Die Haltungen unterscheiden sich im Grad der Ablehnung. Vietnamesen, Chilenen oder Russen werden, als in der DDR vorhandene und gekannte Ausländer, gelegentlich akzeptiert – die mit der Westvereinigung Dazugekommenen abgelehnt. Wenn ich einen differenzierenden Umgang anmahne, schauen mich die Ost-Menschen auf eine ganz bestimmte Weise an. Meist wechseln sie dann das Thema. Das ist der Blick, mit dem man die bei diesem Punkt als rettungslos verblödet geltenden Wessis betrachtet. Er signalisiert, daß es keinen Sinn hat, darüber zu reden. Im Taxi saß übrigens noch eine aus dem Osten stammende, in Frankfurt am Main als Krankenschwester arbeitende Frau mittleren Alters. Sie strebte demselben Bahnhof entgegen und gestand: "Hier kann ich ja einmal offen reden." Am Arbeitsplatz sei sie belehrt worden: Bei ausländerfeindlichen Äußerungen fliege jeder sofort. Sie brauche ihre Arbeit. Deshalb rede sie mit ausländisch wirkenden Kranken vorsichtshalber gar nicht mehr. Da nickte die Taxifahrerin verständnisvoll. "Ja, ja", seufzte sie, "man fühlt sich bei dem Thema heute so bevormundet wie früher bei anderen."

"Früher" bedeutet heute immer "die DDR". Früher war "früher" früher. Meist die Nazizeit, manchmal die "Weimarer Republik", für ganz Alte der Erste Weltkrieg und das Kaiserreich. Die einzelnen Phasen der Geschichte drohen in der Erinnerung ineinanderzulaufen und zu einem einzigen "früher" zu verkleben. Damit nicht nur ein lähmender Erinnerungsbrei übrigbleibt, ist es wichtig, die einzelnen Bestandteile des Vergangenen zu trennen, die sich in einem "früher" zu leicht vereinigen wollen. Was tun? Mag sich mancher mit Lenin fragen, wenn neue Meldungen über ausländerfeindliche Gewalt aus dem Osten dieser Republik im Westen und Süden das Bild der Ex-DDR prägen. Wie richtig ist dieses Bild eines untergegangenen Staates, in dem heute Stasi, Skinheads, Neonazis und vor allem viel PDS auf merkwürdige Weise dominieren? Was ist zu tun, um der Präsenz fremdenfeindlicher bis rechtsradikalen Denkens in ganz Deutschland und vor allem im Osten entgegenzuwirken? Reicht eine Art Betroffenheit aus, die sich in einer Empörung äußert, die nicht immer ganz echt zu sein scheint? Eher pflichtbewußt medienmäßig?

 

Es kann nicht schaden, die Gegebenheiten nüchtern wahrzunehmen und zu analysieren. Zahlreiche Bücher fühlen sich dieser Aufklärung mehr oder weniger verpflichtet. Das Braunbuch DVU. Eine deutsche Arbeiterpartei und ihre Freunde von Jürgen Elsässer gehört unter den neueren zu den erfolgreichsten. Der in der sich selbst als linksradikal vorstellenden Hamburger Monatszeitschrift Konkret publizierende Elsässer stößt oft genug auf einfache und einfältige Erklärungsmuster des Rechtsradikalismus. Er will – nicht als erster – den simplen sozialökonomischen Theorien entgegentreten. "Nicht die objektive Lage, sondern die subjektive Verarbeitung dieser Lage ist entscheidend für die Brutalisierung eines Individuums." Eine Seite weiter im Buch steht allerdings: "Die Arbeit ist oft das einzige, was die zerbrechlichen Charaktere stabilisiert." Elsässer stört der naive Blick einiger Antifaschisten auf die Arbeiterklasse als Opfer des deutschen Nationalsozialismus. Realistisch setzt er dagegen: "Die sogenannten kleinen Leute, die Hitler folgten, wurden nicht durch Propaganda manipuliert, sondern es war umgekehrt: In den Reden und Schriften von Hitler und Goebbels wurde endlich das an- und ausgesprochen, was jene selbst dachten und fühlten." Natürlich geht es um Schlußfolgerungen für das Heute. Der Autor ahnt das vorhandene fremdenfeindliche Potential gerade im proletarischen Milieu und weiß, wie rechtsextremer Gewalt zu begegnen wäre. Er zitiert den Psychoanalytiker Julian S. Bielikki: "Die kurzfristige Notlösung besteht darin, daß der Staat den rechtsextremen Gewalttäter rasch und hart bestraft und ihm im Wiederholungsfall weitere, höhere Strafen in Aussicht stellt. "Das ist plausibel. Und problematisch, wenn es auf rechtsextreme Straftäter beschränkt bleiben soll. Denn wer entscheidet, ab wann konservatives Denken rechts und von wo ab es rechtsextrem ist. Wer outet sich willig als Extremer? Wer entwickelt lieber Tarnungskonzepte, um ja nicht als Rechtsradikaler zu gelten? Schon heute haben Schläger verschiedener politischer Couleur immer eine Schnapsflasche in Griffweite, um sich nach begangener Körperverletzung rasch in einen alkoholisierten Zustand zu versetzen. Der sorgt für mangelnde Zurechnungsfähigkeit und strafmildernde Behandlung."

Jürgen Elsässer will vorher auf diese Kreise einwirken und mißtraut zu Recht der sanften sozialpädagogischen Überredungskunst. "Warum soll ein Stadtteil ein Jugendzentrum bekommen, der eine Hochburg der DVU ist?" fragt er. Und dann purzeln ihm die in Frageform verkleideten Vorschläge nur so auf das Papier. "Warum haben Kommunen mit DVU-Spitzenwerten weiter Anspruch auf Fördermittel von Bund und Land? Warum bekommt der Skinhead, der Ausländer vertreiben will, eine Lehrstelle? Warum will man die Tariflöhne der deutschen Bauarbeiter durch ein ,Entsendegesetz` schützen, solange Umfragen zeigen, daß sie zu den fanatischsten Anhängern der Faschisten gehören?" Solche Ideen provozieren beim Lesen weitere und noch konsequentere Überlegungen zur Eindämmung faschistischer Gedanken: Sollte man nicht Bauarbeiter und andere gefährdete Berufsgruppen ganz abschaffen? Lassen sich Löhne nicht generell an demokratisch gefestigte Haltungen koppeln? Der politisch kundige Konkret-Leser erhält 100 Prozent, der mit der Bild-Zeitung Ertappte nur 50 Prozent des Tariflohns. Und die Verweigerung medizinischer Versorgung als Druckmittel gegen rechte Demokratieabweichler?

So rasch gibt einer die Grundwerte auf, die er eigentlich verteidigen will. Natürlich meint es Jürgen Elsässer nicht so. Wie aber soll der Satz von dem ausländerfeindlichen Skinhead und der Lehrstelle in der Praxis realisiert werden? Ausbildungsverbot für verurteilte Ausländerfeinde? Oder schon die Vermuteten ächten – ohne rechtsstaatliches Verfahren? Da könnte vorbeugende Überwachung sinnvoll erscheinen. Dies war eine der logischen Schlußfolgerungen des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR: die potentiell staatsfeindlichen Straftäter vor ihrer ersten Straftat zu erkennen. Möchte Elsässer wenigstens die Skinheads observieren lassen, um bei einer überschaubaren Gruppe zu bleiben? Hier zeigt sich, wie scheinradikales Wunschdenken vor den Realitäten versagt. Es fängt beim Klischee "Skinhead" an, das nicht einfach als zwingende Vorform antidemokratischer Haltung gedeutet werden darf. Natürlich bietet diese im Osten (vor allem im Nordosten) deutlich stärker verbreitete Jugendkultur mehr Ansatzpunkte für aggressive Verhaltensweisen als die Hippiebewegung der späten sechziger Jahre. Doch Skinhead ist nicht gleich Skinhead. Ich verweise auf das ausgezeichnete Buch Die Skins. Mythos und Realität, das Klaus Farin 1998 in einer zweiten, durchgesehenen Auflage im Christoph-Links-Verlag herausgab. Da kommt auch der auf seine Aufklärungskosten, der sich für Details interessiert, die wirklich nicht jeder wissen muß: zum Beispiel musikalische. "Prinzipiell schien Heavy metal als Basissound für den Rechtsrock besser geeignet als der anarchisch-chaotische Oi-Punk", schreibt Farin und begründet es. Jürgen Elsässer referiert die intuitiv antifaschistische Wirkung des Gitarrenkünstlers Jimi Hendrix. Er schreibt die entsprechenden Zitate von Klaus Theweleit ab. Elsässer schreibt überhaupt vieles aus vielen Büchern ab, auch der Briefwechsel zwischen Rudi Dutschke und seinem Attentäter bleibt nicht unausgewertet. Was unterscheidet die Autoren Klaus Farin und Jürgen Elsässer? Sicher nicht ihre Grundhaltung, die rechtsradikales Denken und Handeln verabscheut. Doch während Elsässer alle Informationen aus der veröffentlichten Meinung schöpft, recherchiert Farin auch in den beschriebenen Kreisen selbst. Das mag die Gefahr mit sich bringen, mitunter die Distanz zu verlieren. Bei dem Skin-Buch wirkt sich eher die Chance aus, durch Nähe zusätzliche Informationen zu bekommen. Es wird nachvollziehbar, welche konkreten Elemente kulturellen und politischen Handelns zu welchen Wirkungen führen.

 

Elsässer schätzt flott formulierte und manchmal prägnante Analysen. Undaufhörlich werden Urteile gefällt. Auch ein Schriftsteller wie Jurek Becker findet sich da schon einmal als Ideen- und Zitatenspender. Das Buch hat seine Stärken, wo Elsässer politische Entwicklungen historisch skizziert und den Zusammenhang von Antikapitalismus, Antisemitismus und Faschismus darlegt. Wobei es mit dem Antisemitismus so eine Sache ist. Es gab ihn auch in der DDR. Und es gab eine Vorsicht und Hilflosigkeit im Umgang mit Juden, die nicht nur mit der Außenpolitik des Staates Israel zu tun hatte. Schon das notwendige Tragen einer Kopfbedeckung, beim Besuch des jüdischen Friedhofs in Weißensee, hielt eine Lehrerin der Ostberliner Herbert-Baum-Schule davon ab, mit kleineren Schülern dort das Grab des jüdischen Widerstandskämpfers Herbert Baum zu besuchen. Warum? Man hätte den Schülern etwas erklären müssen über jüdische Kultur und Religion. Da ging man doch lieber gleich zum Friedhof der Sozialisten in Friedrichsfelde, wo Herbert Baum normalerweise auch liegen würde. Wenn er kein Jude gewesen wäre. Um das, was als "normal" gilt, geht es. In Polen und Ungarn erlebte ich einen selbstverständlicheren, offeneren Antisemitismus, gegen Ende der DDR mehrten sich auch in ihr offene antisemitische Äußerungen und Übergriffe. Trotzdem war und ist Antisemitismus von allen Elementen, aus denen sich die faschistische Mixtur zusammensetzt, in der Ex-DDR das Unwesentlichste. Elsässer möchte an einer Stelle seiner Schrift beweisen, daß die Masse der DDR-Bürger sich 1991 keineswegs faschistoid äußerte, weil in einer Umfrage sich nur 4 Prozent als Antisemiten kennzeichneten. Gegenüber 16 Prozent in den alten Bundesländern. Das ist ein Fehlschluß. Abgesehen vom zu leichtfertig verliehenen Attribut "faschistoid", war und ist antisemitisches Denken selbst unter Rechtsradikalen unterschiedlich wichtig und unterschiedlich präsent. In der gleichen Umfrage hätten sich zu dem rassistischen Vorschlag, alle Türken aus Deutschland nach Hause zu schicken und Arbeitsplätze bevorzugt DDR-Bürgern zu geben, sicher rund achtzig Prozent der Ostdeutschen bekannt.

Lehrreich dagegen ist der Exkurs des Autors nach Italien, wo es Elsässer völlig abwegig scheint, den Aufstieg des Faschismus 1924 als Kampf gegen den Kommunismus zu betrachten. Eine problematische These. Natürlich kämpften die Faschisten in Italien auch gegen die Kommunisten und die Ausstrahlung des sich offenbar etablierenden Modells Sowjetunion – gerade für Intellektuelle in Westeuropa. Diesen Aspekt "völlig abwegig" zu nennen, verweist auf eine sehr selektive Wahrnehmung, gerade in Italien, wo Gramsci eine eigenwillige und interessante Revolutionsstheorie entwickelte. Eigenwilliger jedenfalls als der europäische antikapitalistische Propagandastandard unter Kommunisten. Sicher ist die antibolschewistische Dimension beim Aufkommen des italienischen Faschismus eine andere als in Deutschland. Um zu sehen, was Totalitarismustheorien taugen und wo ihre Grenzen sind, wären verschiedene Vergleiche ohnehin interessant. Zum Beispiel der zwischen den Herrschaftsmechanismen (und ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz) in der DDR und im faschistischen Italien. Übrigens könnte selbst die realsozialistische Diktatur in der DDR als eine antikommunistische gedeutet werden, weil mit ihr auch immer offen anarchistisch experimentierende Modellversuche (Räterepublik u.a.) verhindert worden sind. Die Erhaltung der Macht hatte immer Vorrang vor der Entwicklung gesellschaftlicher Konzeptionen.

 

Trotzdem hat in bezug auf Italien Elsässer mit einem recht – das rechtsradikale Denken hatte ein vorrangiges Ziel: "Gegen die herrschende Kaste der liberalen Demokratie." Das könnte heute einer der "Neuen Rechten" von sich geben, die in einem Buch von Armin Pfahl-Traughber ruhig und gelassen analysiert werden. Der mögliche Makel des Buches Konservative Revolution und Neue Rechte liegt im Anstellungsverhältnis des Autors begründet. Pfahl-Traughber arbeitet seit 1994 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Verfassungsschutz in Köln und reflektiert dies in einer Vorbemerkung. Denn es führte bei Besprechungen seines letzten Buches schon zu mißtrauischen Anfragen. Elsässer äußert zu diesem Punkt in seinem Buch: "Was soll die selbstmörderische Prinzipientreue von Bündnisgrünen und PDS, den Verfassungsschutz, der in einigen Bundesländen ausgezeichnete Observierungserfolge gegen die Faschisten hat, ausgerechnet jetzt zurückstutzen zu wollen?" Außerdem ist Veröffentlichen so ziemlich das Gegenteil geheimdienstlicher Arbeit. Es macht Thesen diskutierbar und verschafft eine Brücke in die gemeinschaftliche Normalität, die zum Beispiel in der DDR nicht denkbar gewesen wäre. Pfahl-Traughber legt in seinem Buch ausführlich dar, was Elsässer kurz und oberflächlich streift. Während sich das Braunbuch DVU eher mit den dumpfen populistischen Erscheinungen im Umfeld der DVU abgibt, beschäftigt sich das andere Werk mit der "Konservativen Revolution" in der Weimarer Republik und der "Neuen Rechten" heute. In punkto Weimar tauchen die bekannten Namen auf: Jung, van den Bruck, Carl Schmitt und Sprengler; ihre ideologischen Grundpositionen werden herausgearbeitet. Dabei ergibt sich, neben einer Ablehnung des Rationalismus und der Aufklärung, vor allem immer wieder eine antiliberale Grundhaltung mit der Ablehnung von Individualität und Menschenrechten als übergreifendem Konsens. Logischerweise ist das Gesellschaftsbild antipluralistisch, die autoritäre Staatskonzeption verlangt nach der Diktatur. Die Wegbereiter des Mussolinischen Faschismus und die "Neue Rechte" in Frankreich werden in die Studie einbezogen.

 

Nach 150 Seiten (so ausführlich ist das Buch von Elsässer nicht) kommt Pfahl-Traughber auf die "Neue Rechte" in der Bundesrepublik. Die Porträts über Armin Mohler, Klaus Kunze, Karlheinz Weißmann und Jürgen Hatzenbichler sind informativ. Der 1968 in Klagenfurt geborene Hatzenbichler begann seine Schriftstellerkarriere mit einem in Gedichtform veröffentlichten Traktat. Ein Ausschnitt: "Der Liberalismus ist ein stinkender Haufen von Allgemeinplätzen. Seine religiöse Form, die ,Menschenrechte`, dient nur dazu, dem Egoismus des westlichen Menschen zu schmeicheln." Auch andere machen das "Individualismus-Prinzip" für gesellschaftliche Phänomene wie Depressionen, Identitätskrisen, Trennungen oder Vereinzelungen pauschal verantwortlich. Aufschlußreich sind die philosophisch geprägten Abschnitte über "identitäres statt pluralistisches Demokratieverständnis." Der Autor müht sich um einen differenzierenden Blick und klammert Personen und Zeitschriften aus diesen Zusammenhängen aus, die die Antifa gern und oft auch ungeprüft unter den nazistischen Sympathisanten aufführt. Seine Weigerung, die (bedeutungslose) Gruppe der Nationalrevolutionäre (um die Zeitschrift wir selbst) den "Neuen Rechten" zuzuordnen, verblüfft. Überzeugend sein Plädoyer für die einmal am rechten Rand angesiedelte Zeitschrift Mut, die in den neunziger Jahren vollends in die liberale Mitte rückte. In der Behandlung dieser Zeitschrift sieht Pfahl-Traughber einen Seriositätstest für Veröffentlichungen zur "Neuen Rechten". Elsässer besteht diesen nicht, er kennzeichnet Mut in seinem Buch einmal als "schwarzbraun" und meint sicher nicht die Farbe des Umschlages. Pfahl-Traughber denkt da neben der Analyse auch an mögliche Ausstiegsszenarien für Leute, die sich in rechtsextreme Kreise begaben. Wenn es nur den Weg permanent sich zuspitzender Militanz in den Haltungen und Aktionen für den einzelnen gäbe, müßte eine Demokratie mit jedem Jahr ihrer Existenz gefährdeter sein.

Doch der Verfassungsschützer beschönigt nichts. Gerade weil er vieles ausklammert, wirkt der klar als "rechtsradikal" definierte Rest um so erschütternder. Der will das System der Bundesrepublik bekämpfen und beseitigen. Armin Mohler schreibt 1996 dem Informationsblatt Blick nach rechts, daß er nichts dagegen hätte, als Faschist bezeichnet zu werden. Und zwar – Zitat – "von einem der wenigen, die noch wissen, was das ist". Auch Rechtsradikale sind eitel, lehrt die Lektüre, und möchten nicht mit allen möglichen Konservativen in einen Ideologietopf geworfen werden. Mitunter vermutet man als Leser, daß der Autor über beruflich bedingtes Wissen verfügt, dessen Quellen er nicht preisgibt. Aber das soll anderen Autoren auch passieren. So relativiert Pfahl-Traughber die behaupteten Wirkungen seiner Protagonisten von rechts außen, die sich gern größeren Einfluß  zurechtträumen. So der Philosoph Krebs und das von ihm organisierte "Thule-Seminar": "So sehr Krebs sich in der Außendarstellung bemüht, die Existenz einer festen Organisationsstruktur mit entsprechenden Aktivisten und Arbeits-ebenen zu suggerieren, so wenig steckt de facto dahinter."

 

Auch den Medieneinfluß der "Neuen Rechten" betrachtet der Autor als im Grunde gering, vor allem, wenn er diesen mit jenem der konservativen Revolutionäre der Weimarer Republik vergleicht: "Tatsächlich kam in diesem Bereich etwas in Bewegung, das verstärkt Beachtung verdient, allerdings nicht im Sinne einer hysterischen Beschwörung von Gefahr für die Demokratie." Einverstanden. Trotzdem fehlt bei Pfahl-Traughber jeder Verweis auf die Sonderrolle der Ex-DDR bei diesem Thema. Fast, denn auf Seite 187 findet sich bei einem Autor ein Hinweis auf die Zeitschrift Sleipnir. Die mir bekannten Nummern gehören zu den raffiniertesten kulturell-politischen Publikationen des deutschen Rechtsradikalismus, der sich weltweit Verbündete zu schaffen und herbeizuveröffentlichen versucht. Ihr Gründer und Herausgeber Andreas R. tauchte 1984 noch in einer im Kiepenheuer Verlag, Köln, herausgegebenen Anthologie junger DDR-Autoren auf (Berührung ist nur eine Randerscheinung). Er studierte einmal Ökonomie in Merseburg, fühlte sich als überzeugter Marxist und wurde Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit, um die revolutionäre Entwicklung in der DDR zu beschleunigen. In diesem Auftrag nahm er Kontakt zu mir auf, berichtete regelmäßig. Bekam bald Skrupel, da er strafrechtlich verwertbare Fakten liefern sollte. Er offenbarte sich Wolf Biermann als Spitzel. Schritt für Schritt entfernte er sich von den einstigen Idealen und übersiedelte nach Westberlin. Oder tauschte er nur die Verschwörungs-theorien und blieb sich treu? Um das nachwirkende Erbe der DDR zu verstehen, müssen solche Lebensläufe recherchiert und erzählt werden. Von Büchern über den Rechtsradikalismus in Deutschland erwarte ich Auskunftsversuche, wie die Versatzstücke auch aus der DDR-Vergangenheit weiterwirken. So können die antiliberalen und antikapitalistischen Sprüche der deutschen Rechtsradikalen aus Vergangenheit und Gegenwart am staatlich verordneten Antikapitalismus der DDR anknüpfen.

Das, was ihre Wirksamkeit erhöht, schränkt sie gleichzeitig ein. Denn die Routine einer staatlich gelenkten Propaganda führte zur Abneigung. Der oftmals erwähnte verordnete Antifaschismus der DDR wirkte gegensätzlich: Er behinderte und förderte rechtsradikales Denken zugleich. Und das in verschiedenen Kreisen, verschiedenen sozialen Schichten, an jeweils unterschiedlichen Orten, auf differenziert gemischte Weise. So erkannte jetzt einer in der Ostberliner Antifa-Zeitschrift Telegraph unter ostdeutschen und westdeutschen Rechtsradikalen einen Unterschied: Bei westdeutschen spiele die alte Nazi-Ideologie eine viel größere Rolle, die Ostdeutschen seien gewaltbereiter und lehnten den gegenwärtigen Staat aggressiver ab. Das hat gesellschaftliche und individuelle Gründe. Elsässer hat bei diesem Punkt seinen Auftritt, wenn er sexuelle Frustrationen nach den Theorien von Wilhelm Reich und Erich Fromm ins Vergleichsspiel bringt. Er liegt da gar nicht so falsch, wie das manche Kritiker des Buches meinen. Nicht umsonst wurden die zitierten Schriften von Fromm und Reich in der DDR-Wissenschaft kaum geduldet. Ich schrieb als Student eine Diplomarbeit zu dem Kult um Adolf Hitler. Das Buch Autorität und Familie und Reichs Massenpsychologie des Faschismus boten hochinteressante Ansatzpunkte. Von meinem Betreuer, Professor Manfred Weißbäcker, wurde ich ausdrücklich darauf verwiesen, Fromm und Reich kritisch zu beurteilen. Immerhin konnte ich sie per Genehmigungsschein lesen und auswerten. (Als eine der Vorgaben für wissenschaftliche Arbeiten galt übrigens, bürgerliche Theoretiker wie Erich Fromm und Wilhelm Reich nur mit den Familiennamen zu zitieren, was in der Summe leicht abwertend wirkt. Die anderen Anerkannten bekamen natürlich ihren vollständigen Namen hinter oder vor das Zitat gerückt.)

 

Jedenfalls zeigt Elsässer, daß man auch mit falschen oder ungenauen Prämissen zu richtigen Schlußfolgerungen kommen kann. Es gibt Zusammenhänge zwischen dem in der DDR sicher geförderten "autoritären Charakter" (siehe jene Studie) und einer den Gefühlsstau entspannenden Sexualität. Kann Elsässer aber durch Umfragen wirklich auf einen "tendenziösen Fall der Orgasmusrate" im Osten seit der Wende schließen? Sind die sexuellen Ängste bei Teenagern-Ost wirklich größer? Oder wirkt die Furcht vor AIDS sich noch unmittelbarer auf Umfragen aus? Trotzdem, es hat sich etwas verändert. Ob das einen "massenpsychologischen Vormarsch von Autoritarismus und Faschismus" zur Folge hat, wie Elsässer im Kursbuch: Auftritt von rechts behauptet, hoffe ich eher nicht. Es begünstigt auf jeden Fall das aktive, aggressive Vertreten eigener extremer Haltungen. Man ist gewaltbereiter. Die konkrete Gefahr aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ist nicht die DVU oder eine andere rechtsradikale Partei. In der Luft liegt eine unterhalb der Parteienebene sich bildende organisationsähnliche Struktur, die sich bei der Bekämpfung von Fremden, Zuwanderern und Ausländern den Ku-Klux-Klan zum Vorbild nimmt. Elsässers entliehene Theorie der "Verstärkung des Über-Ichs durch gesellschaftliche Disziplinierung" in bezug auf seine sexuelle Befriedigung sollte ernstgenommen werden. Wenn auch nicht im psychotherapeutisch korrekten Rahmen.

Mit dem Verschwinden der DDR vollzieht sich eine Umwertung sozialer Milieus im Osten. Arbeiter im klassischen Sinne gehören sicher zu den Verlierern: materiell und im gesellschaftlichen Status. Das bleibt auch als Ergebnis eines neuen Buchs von Wolfgang Engler zurück, der die DDR vor allem als eine "arbeiterliche Gesellschaft" beschreibt ("Die Ostdeutschen". Kunde von einem verlorenen Land). Das scheint an vielen Stellen ungenau und übertrieben, trifft aber gerade auf die Partnerbeziehungen und sexuellen Kontakte zu. Ein körperlich Arbeitender war einem Bankangestellten oder Postmitarbeiter eher finanziell überlegen, er wurde bei der Partnerwahl als Individuum gemäß seiner persönlichen Ausstrahlung und weniger aufgrund seines sozialen Status wahrgenommen. Dies ist heute anders – und es fällt auf, daß das klassische arbeiterliche (nicht immer proletarische) Milieu ein zunehmend frauenloseres wird. Der "Bankangestellte" oder "Journalist" ist plötzlich viel interessanter, als er dies zu DDR-Zeiten war. Dazu trägt eine finanzielle Aufwertung bei, beschränkt sich aber nicht auf diese. Alle Berufe, die keine potentiell selbstverantwortliche, kreative oder unternehmerische Perspektive haben, stehen als langweilig, gewöhnlich da. Besonders jene, bei denen man sich schmutzig machen muß und die von den Kosmetikritualen einer Duftindustrie erst einmal ausgeschlossen sind. Zumindest im Vergleich zu jenen Arbeiten, die scheinbar körperlos zu verrichten sind, so daß eben jener Körper schon zur Arbeitszeit eine Gestaltungsfläche für weitere Originalitätsbasteleien abgibt. Was den Abstand zum gewöhnlichen Arbeiter weiter erhöht. Um ihre Zukunft (und die ihrer möglichen Kinder) sich sorgende junge Frauen achten mehr als früher auf die potentiellen Zukunftschancen ihrer künftigen Männer. Auch das aktive rechtsradikale Milieu ist nicht nur eher männlich dominiert, es bewegen sich auch weniger Frauen in ihm. Viel weniger als in fast jeder Mensa einer westdeutschen Hochschule. Hier liegt ein Potential für Erniedrigungserfahrungen und Frustrationen, es stärkt im großstädtischen Erlebnisbereich die Ablehnung gegenüber Ausländern. Also jenen, die als solche wahrgenommen werden. Und die sanften Ausstiegsmöglichkeiten (Rückzug in das Familienleben) sind nicht mehr die Regel. Wer will einen Arbeitslosen oder unter Tarif bezahlten Gerüstbauer heiraten – die gesellschaftliche Perspektive ist im Grunde nur eine weitere Verschlechterung der Perspektive. Nach dem schwieriger zu bekommenden Arbeitsplatz wird für junge Leute aus solchen Kreisen auch die Ehe fast schon zum Luxus. Die Männer bleiben länger in ihren Cliquen, aus denen ganze Bewegungen werden könnten.

 

Hier piekte der Autor in einen Zusammenhang, der sich komplexer darstellt, als das dem Autor bewußt war. Denn um die Verlust-Erfahrungen zu bewerten, müssen sie genau vermessen sein: erstens als realer Verlust innerhalb der arbeiterlichen Gesellschaft, die nicht die gesamte DDR umfaßt. Und zweitens als Kontrast zu den eigenen Erwartungen an die westliche Gesellschaft. Etwas vereinfacht gesagt: Gegen Ende der DDR hatten gerade Teile der Arbeiterschaft geradezu Sehnsucht nach nichtsozialistischen, westlichen Verhältnissen. Die antikapitalistische Propaganda von rechtsaußen erreichte sie auch deshalb nicht. Von all dem, was der Westen mit sich brachte, störten die neuen, privateren Besitzverhältnisse am wenigsten, die Bürokratie (die in der DDR durch von oben feudal diktierbare Handlungsanweisungen ersetzbar war) schon sehr. Am meisten stört die komplexe, auf Vielheit, permanente Neugier, Durchsetzungs- und Profilierungswillen, Gestaltungsfreudigkeit bauende Zivilgesellschaft. Also das, was Demokratie im günstigsten Fall bedeuten kann. Sie ist anstrengend. Nicht umsonst verkörpern Liberale und Grüne das, was dem Osten am fremdesten ist. Die antiliberalen und antiwestlichen Sprüche und Konzepte der "Neuen Rechten" könnten im Osten mittelfristig erfolgreicher als im Westen sein. Die politischen oppositionellen Kreise in der DDR hatten und haben keinerlei Affinität zu rechtsradikalen Haltungen und berühren solche Kreise nur versehentlich. Anders herum: die Dominanz linken, anarchistischen und sozialistischen Gedankengutes war in diesen Kreisen so groß, daß sie nach 89 kaum profilierte Vertreter und Verbreiter liberalen Denkens hervorbrachten. Die Ignoranz gegenüber der politisch oft konservativer eingestellten Bevölkerung bedeutete, daß DDR-Oppositionelle keinerlei Einflußmöglichkeiten auf nach rechts driftende Menschen und Gruppen hatten und haben. Insofern sind Umfrageergebnisse suspekt: Protestverhalten ist genauso möglich wie das Verbergen von Absichten.

Elsässer versagt mehrfach an diesem Punkt. Die Dominanz von Männern bei rechtsradikalen Aktivitäten ist offensichtlich und ein Grund wurde eben ausführlich dargelegt. Sind solche Haltungen deshalb nur ein Problem der Männerwelt? Ich stoße bei Schülerinnen und Frauen im Osten auf besonders ausgeprägte Abneigungen gegenüber Zuwanderern. Manche hätten gern die "gewaltlose" Vertreibung von Fremden. Nicht von allen, "nur" von Türken, Arabern und Balkanflüchtlingen – wie mir beim Essen nach einer Lesung erklärt worden ist. Eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, acht Frauen in meinem Alter: Sie sind Lehrerin, Journalistin, Bibliothekarin, Apothekerin. Für sie ist Kreuzberg ein Feindbild, über das sie ruhig und verächtlich reden. Ich widerspreche und problematisiere. Da nennt eine das Modell "Kreta" als nachahmenswertes Vorbild. Ich muß darüber aufgeklärt werden, daß irgendwann alle auf Kreta Lebenden aufgefordert worden sind, zum Christentum und Griechensein überzuwechseln oder die Insel zu verlassen. Friedlich seien sie dann abgezogen. Alle Damen nicken. Und es gäbe keine Probleme wie auf Zypern, ergänzt eine. Und wieder nicken alle. Und irgendwann in Berlin, sagt die dritte. Später verweist die Journalistin auf ihren Besuch im Asylbewerberheim. Sie durfte nichts über die Gewalt unter Ausländern schreiben, erklärt die selbstbewußte Frau. Die Zeitung erwarte, bei diesem Problembereich belogen zu werden. "Bitte schön", so ihre Worte, "das habe ich in der DDR wirklich gelernt."

Der Osten läßt auch Erklärungsversuche im Kursbuch: Auftritt von rechts hilflos erscheinen. So informativ dagegen sich Ausflüge in die USA, nach Israel, Indien, Frankreich oder Rußland lesen. Klaus Hartung besitzt einen Instinkt für subversive Strategien des Zurückdrängens autoritätsgläubiger Haltungen: "Die Fixierung auf ,Strategien gegen rechts` macht blind und sollte sich auflösen. … Zivilcourage, Eintreten für die Zivilgesellschaft… Schutz des Andenkens der Opfer des Nationalsozialismus – das alles sind keine Kampfziele gegen rechts, sondern Ziele, die in sich richtig sind." Es rächt sich eine bestimmte West-Arroganz: "Die Bonner Parteien haben … Ostdeutschland als Resonanzboden mißbraucht. Das gilt auch für Theoretiker und Publizisten, die sich die Verhältnisse Ost rasch kompatibel zu ihren Erkenntnissen West zurechterklären wollen." Ein Teil der Mutmaßungen Elsässers zur Rolle der DVU wirkt schon nach der marginalen Bedeutung der Partei in den späteren Wahlen antiquiert. Der Rückfall dieser Wählerschaft auch in Sachsen-Anhalt auf 3 Prozent darf allerdings auch nicht beruhigen. Die böseste aller Erklärungen: Für so unwichtig halten diese Wähler eine Wahl, daß sie von Partei zu Partei springen.

 

Jürgen Elsässers Buchkapitel, die eine relative Nähe von DVU und PDS konstatieren, gehören zu den nachdrücklichen. Trotzdem müßte er stärker zwischen Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus unterscheiden. In der DDR wurde die allgemeinste Form dieser Geisteskrankheiten am stärksten konserviert: die Feindlichkeit allem Fremden gegenüber. Die Abgrenzungspolitik gegenüber dem politisch Fremden, gegenüber westlicher Trivialkultur, die Westreise als Auszeichnung statt als Normalität, erzeugte eine unerhörte Arroganz und Selbstbezogenheit. Es gab keine italienischen oder griechischen Restaurants, keine farbigen Besatzungssoldaten oder individuell ins Land einreisende Gastarbeiter. Ausländer sind in so einem System die personifizierte Erscheinungsform des Fremden, dessen Auftauchen reguliert und geplant werden muß. Brauchte man welche zu Arbeitszwecken, so holte und kasernierte man sie. Brauchte man sie nicht mehr, kamen sie wieder weg. Vietnamesische Arbeiterinnen mußten sich zur Abtreibung im Schwangerschaftsfall verpflichten. Aus politischer Solidarität aufgenommene Gäste wurden nach politischer Nützlichkeit sortiert: Nach dem Militärputsch in Chile durften Kommunisten und Sozialisten ins DDR-Exil, Linksradikale von der MIR und bürgerliche Oppositionelle nicht. Selbst die einheimische Besatzungsmacht bestand nur aus weißen Menschen – die Russen oder Georgier befahlen, die Völker des ferneren Ostens hatten zu dienen. Alle zusammen durften sich der DDR-Bevölkerung nicht gleichberechtigt nähern. Die Rote Armee war in der DDR nie verhaßt, weil sich der DDR-Deutsche gegenüber den ärmeren Siegern der Geschichte als überlegen fühlte. Was die Mauer in diesem abgrenzenden Sinn gegenüber der westeuropäischen Zivilgesellschaft anrichtete, wird ahnbar, wenn man an den Wahlkampf der DVU bei den Regionalwahlen in der Lutherstadt Wittenberg denkt. Natürlich ging es da auch gegen die Fremden. Die vor dem Ort wohnenden deutschen Pendler mutierten zur Hauptzielgruppe des Protestes: Wittenberger Arbeitsplätze den Wittenbergern. Dümmer geht es kaum. Das Fremde beginnt vor der Stadt. Auch Berliner dienen gern als Ersatzfremdbild oder Sachsen den Mecklenburgern oder Wessis allen Ostdeutschen. Die Nord-Süd-Grenze in der DDR ist auch eine zwischen zwei Stufen der Unterentwicklung.

 

Nicht nur die Politik muß handeln. Türkische Raverinnen aus Westberlin, die eine Landeszentrale für Politische Bildung durch Thüringer Schulen touren läßt, erreichen mehr als Politikerreferate. Geschlossene rechtsradikale Milieus sollten zersetzt werden. Da spielen dann schon Ausbildungs- und Arbeitsplätze außerhalb dieser Milieus eine Rolle. Warum nicht Baubetriebe fördern, die junge Polen, Deutsche und Türken nebeneinander und miteinander arbeiten lassen? Zur Beteiligung am jährlich stattfindenden Kreuzberger "Karneval der Kulturen" dürfte es als Anreiz auch vorher schulfrei geben. Um multikulturelle Heiterkeit zu proben und an einem eigenen Umzugswagen zu basteln, um Ostberliner und türkische Schüler zur Teilnahme zu verführen. Am ostdeutschen Vertrauensvorsprung gegenüber den aus DDR-Zeiten vertrauten Ausländern (Russen, Vietnamesen) kann auch angeknüpft werden. Es geht um viele kleine Aktivitäten. Da helfen dann natürlich auch Bücher. Wenn sie hinreichend genau sind und helfen wollen. Zumindest letzteres trifft auf die hier vorgestellten zu.

 

 

Jürgen Elsässer; Braunbuch DVU. Eine deutsche Arbeiterpartei und ihre Freunde. Mit einem Vorwort von Jürgen Trittin, Hamburg (Konkret Verlag) 1998 (142 S., 19,80 DM)

Armin Pfahl-Traughber: "Konservative Revolution" und "Neue Rechte". Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat, Opladen (Leske und Budrich Verlag) 1998 (260 S., 48,00 DM)

Klaus Farin (Herausgeber), Die Skins. Mythos und Realität, Berlin (Christoph-Links-Verlag) 1998 (360 S., 39,00 DM)

KURSBUCH 134. Auftritt von rechts. Hrsg. von Karl Markus Michel, Ingrid Karsunke, Tilman Spengler, Berlin (Rowohlt Berlin) 1998 (188 S., 18,00 DM)

Wolfgang Engler, "Die Ostdeutschen". Kunde von einem verlorenen Land, Berlin (Aufbau Verlag) 1999 (348 S., 39,90 DM)